Der Ball liegt bei Pfarrer Paisley

26. März 2007, 14:19
25 Postings

Seit der Anerkennung der britischen Gewaltmonopols durch die Sinn Féin, wächst der Druck auf Pfarrer Ian Paisley: Bietet er die Hand zu einer Koalition mit Sinn Féin?

Dublin - Der taktisch begabte Gerry Adams, Präsident der Sinn-Féin-Partei und ehemaliger IRA-Kommandant, hatte es am Sonntag schon vorausgesehen: „Der 28. Januar mag für uns wichtig sein, aber der 29. ist für Ian Paisley noch viel wichtiger.“ In der Tat: Seit ein Sonderparteitag der Sinn Féin die nordirische Polizei und Justiz mit überwältigender Mehrheit als legitim anerkannt hat, steht der Presby_terianerpfarrer Ian Paisley in der Pflicht.

Der bald 81-jährige Chef der größten Protestantenpartei Nordirlands (die Democratic Unionist Party, DUP) sollte jetzt Hand bieten zu einer Koalition mit Sinn Féin am 26. März, auf der Grundlage von Neuwahlen, die am 7. März stattfinden sollen. Aber Paisley hat neuerdings Schwierigkeiten in seinen eigenen Reihen. Eine starke Fraktion will um keinen Preis die Verantwortung mit ehemaligen Bombenlegern teilen. Deshalb kommentierte die Unionist Party das historische Ergebnis vom Sonntag in Dublin bloß mit großen Vorbehalten: man müsse jetzt erst abwarten, ob die Mitglieder Sinn Féins und der IRA an der Basis tatsächlich der Polizei bei kriminellen Ermittlungen behilflich seien.

Kurze Frist

Doch die Frist dafür ist denkbar kurz: Der britische und der irische Premierminister, Tony Blair und Bertie Ahern, treffen einander am heutigen Dienstag in London, um den Wahltermin zu bestätigen. Gleichzeitig unterbreitet eine unabhängige Kommission ihren neuesten Bericht über das tatsächliche Verhalten der nordirischen Untergrundverbände. Offenbar erhält die IRA erneut einen Persilschein. Peter Hain, der britische Nordirlandminister, der Ende März durch eine einheimische Regierung abgelöst werden soll, führte am Montag ein langes Gespräch mit Pfarrer Paisley und kam zu dem Schluss, die Koalition werde letztlich zustande kommen. Aber öffentlich wird dieses Gelübde nicht abgegeben.

Historischer Durchbruch

Die Diskrepanz zwischen Irland und Großbritannien ist in diesen Tagen wieder einmal sehr augenfällig geworden: In beiden Teilen Irlands wird Sinn Féins Bekenntnis zur Polizei als historischer Durchbruch gefeiert, als letzte Hürde für die Partei, die damit als demokratisch gelten darf. Anders in den britischen Zeitungen, die es kaum für nötig befanden, das Ereignis auf ihren Titelseiten zu vermelden. Auf der Insel Irland dagegen herrscht fast einhellig die Meinung, dass die Führung Sinn Féins um Gerry Adams und Martin McGuinness mit enormem Geschick vorgegangen sei. Die Parteidelegierten stimmten am Sonntagabend nach hitziger Debatte gegen ihre innerste Überzeugung und ihre Gefühle – aus taktisch-pragmatischen Erwägungen. Und die Sinn-Féin-Partei, deren mehr als hundertjährige Geschichte von Spaltungen gekennzeichnet ist, blieb intakt.(Martin Alioth aus Dublin, DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gute Figur im Rampenlicht: gegen große Widerstände setzte Sinn-Féin-Chef Gerry Adams die Anerkennung des britischen Gewaltmonopols unter seinen Parteigängern durch.

Share if you care.