Liebscher sieht Inflationsriskio

7. März 2007, 15:28
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Geldpolitik gut beraten, vorbeugend zu handeln - Gesunkener Ölpreis kein Grund für Entwarnung

Frankfurt - Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) macht nach den Worten seines Mitglieds Klaus Liebscher weiterhin Inflationsrisiken im Euro-Raum aus. So könnten die Löhne kräftig zulegen, die Ölpreise wieder steigen, und auch das hohe Geldmengenwachstum weise auf Inflationsgefahr hin, sagte Liebscher der Nachrichtenagentur Market News International. "Die Geldpolitik ist gut beraten, vorbeugend zu handeln", sagte Liebscher. Doch wolle er nicht sagen, wann und um wieviel die Zinsen weiter erhöht würden.

Zinserhöhung gilt als sicher

Eine weitere Zinserhöhung der EZB im März um wahrscheinlich 25 Basispunkte auf 3,75 Prozent gilt an den Finanzmärkten inzwischen als sicher. Eine Mehrheit der Analysten rechnet mit einem weiteren Schritt auf vier Prozent bis zur Jahresmitte.

Der Gouverneur der Oesterreichischen Zentralbank (OeNB) äußerte wie vor ihm bereits Bundesbank-Präsident Axel Weber große Bedenken über die Lohnentwicklung in Deutschland. Lohnerhöhungen, die sowohl die Inflationsrate als auch das Produktivitätswachstum abdeckten, wären aus Sicht der Zentralbank "exzessiv". "Irgendwann bekommt man dann eine Lohn-Preis-Spirale und die berühmten Zweitrundeneffekte", warnte er.

Angesichts von Forderungen der IG Metall nach sieben Prozent Tariferhöhung könnten die Geldpolitiker nicht gerade entspannt sein. Die Einkommensentwicklung solle sich vielmehr an der Preisstabilitätsmarke der EZB von knapp zwei Prozent orientieren.

"Sehr positives Bild"

Der gesunkene Ölpreis ist nach Einschätzung Liebschers kein Grund für Entwarnung über Inflation. Dies sei ein zweischneidiges Schwert, denn billigeres Öl dämpfe nicht nur die aktuelle Teuerungsrate, sondern stärke auch die Kaufkraft der Verbraucher, sagte Liebscher, der nach eigenen Worten ohnehin schon optimistischer über die Konjunkturaussichten für dieses Jahr ist als noch vor zwei Monaten. "Insgesamt haben wir ein sehr positives Bild." Nach dem "sehr guten" Wachstum von schätzungsweise 2,7 Prozent 2006 werde die Wirtschaftsleistung nur etwas langsamer zunehmen.

Abzuwarten bleibt Liebscher zufolge, wie sich die deutsche Mehrwertsteuererhöhung auf 19 von 16 Prozent auf Wachstum und Inflation auswirken wird. Dies könne man frühestens mit den Preisdaten für Februar Ende nächstes Monats sehen, müsse dann aber noch länger beobachten.

Das EZB-Ratsmitglied vermied jeden Hinweis über die Geldpolitik nach der schon weithin erwarteten März-Erhöhung. "Ich werde mich nicht festlegen", sagte er. Das hänge alles von der Diskussion im EZB-Rat ab. (APA/Reuters)

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