"Mumok" geht auf Platte

29. Jänner 2007, 16:12
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Neue Ausstellungsräume auf der Donauplatte im Visier - Besucherrekord im Vorjahr, Ausstellungsoffensive für heuer geplant

Wien - Nach einem Besucherrekord im 2006 ausgerufenen "Jahr des Sammelns" geht das Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig (Mumok) heuer in eine Ausstellungs-Offensive: Große Retrospektiven sind der "Blauen Revolution" von Yves Klein (9. 3. bis 3. 6.) und Sigmar Polke (22. 6. bis 7. 10.) gewidmet, eine Ausstellung zeigt zeitgenössische Kunst in China ("Facing Reality", 26. 10. 07 bis 7. 2. 08). Insgesamt 206.000 Besucher im Jahr 2006 bedeutet ein Plus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr, auch bei den zahlenden Besuchern wurde ein Zuwachs in dieser Höhe verzeichnet, schilderte Direktor Edelbert Köb am Montag in einer Pressekonferenz.

Die Ausgaben für Neuerwerbungen beliefen sich im Vorjahr auf 500.000 Euro. Gemeinsam mit Schenkungen im Wert von 280.000 Euro und den Ankäufen der Ludwigstiftung umfasste der Sammlungszuwachs einen Wert von 1.480.000 Euro. Im "Jahr des Sammelns" konnte die Mumok-Sammlung "ganz entscheidend bereichert werden", so Köb.

Yves Klein und Sigmar Polke

Zwei wichtigen Künstlern widmet das Mumok heuer große Retrospektiven. Bei der ersten Yves Klein-Retrospektive in Österreich (einer Kooperation mit dem Centre Pompidou in Paris) steht der erweiterte Kunstbegriff des Avantgarde-Künstlers im Mittelpunkt. Klein gilt mit seinem berühmten und patentierten Blau als Erfinder der monochromen Malerei, jedoch reicht das Werk des im Jahr 1962 34-jährig verstorbenen Künstlers über Malerei weit hinaus. So hat er etwa "Malerei mit lebenden Pinseln", bei denen nackte Modelle auf der Leinwand rollten, oder Architektur-Utopien entwickelt. Es werden mehr als 120 Gemälde, Skulpturen, Manifeste und Zeichnungen gezeigt.

Dazu kommt die Retrospektive von Sigmar Polke, der als Mitbegründer des "Kapitalistischen Realismus" bekannt wurde und sich seit den 1980ern zunehmend dem Schaffensprozess als Experiment widmet. Die Schau zeigt einen Überblick über das Gesamtwerk mit Arbeiten aus den Sammlungen Frieder Burda, Reiner Speck und Josef Froehlich.

Chinesisches und "Wienerisches"

Nicht zu Stande gekommen ist eine geplante große China-Schau mit mehreren Kooperationspartnern, schildert Köb. "China - Facing Reality" stellt nun in Kooperation mit dem Architekturzentrum Wien neuere chinesische Kunst in einer repräsentativen Auswahl vor, mit Arbeiten aus Malerei, digitaler Fotografie, Video, Film und Computerkunst. Für die ursprünglich geplante große Schau hätte das Mumok ein Sonderbudget von 300.000 Euro gebraucht. Köb hofft hier nun auf die neue Regierung. In Kooperation mit der Kunsthalle Wien wird einem besonders wienerischen Thema nachgegangen, nämlich "Traum und Trauma" (29. 6. bis 28. 10.). Die Schau bespielt neben der Kunsthalle auch Ausstellungsräume in den Hofstallungen.

Sein groß angelegtes Bestreben nach dauerhaften neuen Ausstellungsräumen hat Köb indes nicht aufgegeben, aber erneut adaptiert. Das "Mumok 21" soll nun nicht mehr in der Rinderhalle in St. Marx, sondern an dem Ort auf der Donauplatte entstehen, für den schon einmal die Errichtung eines Guggenheim-Museums diskutiert wurde, schilderte Köb. Ein bekannter Architekt entwerfe derzeit ein architektonisches Konzept für einen Bau mit 10.000 Quadratmeter Fläche, die WED (Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum) sei von dem Projekt angetan, so Köb.

Baukosten dritteln

Ein Proponentenkomitee soll in vierzehn Tagen präsentiert werden und die Baukosten von geschätzten 30 Millionen Euro zwischen Bund, Stadt und Sponsoren gedrittelt werden. Dies sei "ein wesentlich besseres Projekt als die Rinderhalle", jedoch "immer noch eine Vision", die jedoch in den "letzten zwei Monaten handfester geworden" ist. Das Haus im MuseumsQuartier soll auch bei der etwaigen Verwirklichung dieser Pläne weitergeführt werden, seine Kritik an dem Bau erneuerte Köb jedoch: Er sei um "mehr als die Hälfte zu klein", weise keine Zukunftsperspektive auf und mache unmöglich, den Vertrag mit der Ludwig-Stiftung einzuhalten, nämlich die Hauptwerke der Sammlung permanent zu zeigen.

Auch bei den Schenkungen mache der mangelnde Ausstellungsraum Probleme: "Kein Schenker will, dass seine Schenkung im Depot verschwindet." Sollte das neue "Mumok 21" gebaut werden, habe Köb bereits Zusagen über Schenkungen in der Höhe von 12 Mio. Euro. (APA)

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Mumok
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    foto: standard/fischer
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