Sexberatung beim Shopping

1. Februar 2007, 14:31
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Am 1. Februar eröffnet im Einkaufszentrum Lugner City "VenusMed". Angeboten werden dort neben Sexualberatung und -therapie auch Schwangerschaftsabbrüche

Wien - "Sex ist ja ein wichtiges Ding im Leben. Es gibt wenige, die sagen: ,Das brauchen wir nicht'", meinte Richard Lugner, der sich am Montag ein Stelldichein bei seinen neuen Mietern in der Lugner City gab - dem "Ersten Sexualmedizinischen Zentrum Österreichs" namens "VenusMed", das am Donnerstag offiziell eröffnet.

Der Standort im Ärztezentrum in der Lugner City war bewusst gewählt: "Wir haben einen Ort gesucht, wo Mann und Frau niederschwellig aus dem Alltag heraus mit sensiblen Problemen auf uns zukommen können", erläutert die Psychotherapeutin Brigitte Moshammer-Peter, Geschäftsführerin von "VenusMed". So können beim "VenusCheck" sexuelle Probleme in einem Beratungsgespräch und einer medizinischen Untersuchung quasi während des Shoppings abgeklärt werden - um 195 Euro.

"Uns ist aufgefallen, dass es bisher keine Einrichtung gab, wo Sexualstörungen an einem Ort interdisziplinär diagnostiziert und medizinisch und psychologisch therapiert werden, begründet Moshammer-Peter. Im Angebot sind daher Psychotherapie, Sexual- und Verhütungsberatung genauso wie Akupunktur, Hormonbehandlung und Tests für sexuell übertragbare Krankheiten und Vaterschaftstests sowie gynäkologische und urologische ambulante Eingriffe.

Zu Letzteren gehören auch Schwangerschaftsabbrüche, was im Vorfeld der Eröffnung des Zentrums bereits zu Protesten von radikalen Abtreibungsgegnern geführt hat, die besonders die Lage in einem Einkaufszentrum kritisierten und zum Boykott der Lugner City aufriefen. Lugner, der sich deswegen schon mit der Polizei in Verbindung gesetzt hat, macht die Androhung wenig Sorgen: "Wenn sie vor dem Ärztezentrum in der Gablenzgasse stehen, ist mir das egal. Wenn sie im Einkaufszentrum auftreten, werden wir sicher einschreiten."

"Es ist uns ganz wichtig, dass jede Frau ihre eigene Entscheidung trifft", betont Moshammer-Peter. "Wir stehen für eine wertneutrale Beratung und haben auch eine Hebamme, die werdende Eltern in der Schwangerschaft und bei der Geburt betreut." Sollte es zu Belästigungen durch Demonstranten kommen, werde man aber sicher bei der Polizei das Wegweiserecht einfordern.

Seit dem Sommer 2005 hat die Polizei in Wien die Möglichkeit, vor Ort protestierende Abtreibungsgegner wegzuweisen, nachdem auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisierte Kliniken laufend mit Protesten und Einschüchterungsversuchen durch Anti-Abtreibungs-Demonstranten konfrontiert waren. Seither hat es sieben Wegweisungen gegeben. Christian Fiala, ärztlicher Leiter der Gynmed-Ambulatorien in Wien und Salzburg, stellt zwar eine Verbesserung der Lage fest, tritt aber weiter für die Einführung von Schutzzonen rund um Abtreibungskliniken ein, wie es sie etwa auch in Frankreich gibt.

Für die Einrichtung von Schutzzonen sei der Bund zuständig, erklärt die Wiener Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (SP), die von einem "Dilemma" spricht: "Man muss sensibel damit umgehen, wie man die Frauen bestmöglich schützt, ohne Grundrechte wie das Versammlungsrecht zu verletzen." (Karin Krichmayr, DER STANDARD - Printausgabe, 30. Jänner 2007)

  • Das neue Sexualmedizinische Zentrum in der Lugner City bietet auch Abtreibungen an. Vor Protesten hat Hausherr Richard Lugner keine Angst.
    foto: standard/regine hendrich

    Das neue Sexualmedizinische Zentrum in der Lugner City bietet auch Abtreibungen an. Vor Protesten hat Hausherr Richard Lugner keine Angst.

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