FP-Chef: "Irgendwann muss Schluss sein"

1. Februar 2007, 17:31
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Strache kann es nicht fassen, so verleumdet zu werden: Das sei "Stürmer-Stil", empörte sich der "begeisterte Demokrat" - Mit Video

Wien - Ginge es nach Heinz-Christian Strache, hätte er, der sich in seiner rund einstündigen Klarstellung manchmal selbst „der Haze Strache“ nannte, nichts klarzustellen. Nur soviel: „Man hat von mir angesichts der Fotos, die da aufgetaucht sind, eine Klarstellung gefordert, die ich nie schuldig geblieben bin: Ich war immer ein begeisterter Demokrat, ich stehe hinter dem Rechtsstaat, ich habe eine demokratische Grundgesinnung, ich habe mit einer NS-Gesinnung nichts zu tun, ich lehne das ab, faschistisches Gedankengut gibt es in der FPÖ nicht."

"Gesinnungsterror" und "Faschismuskeule"

Alles andere seien, so beteuerte Strache in ausufernden Wiederholungen, Unterstellungen, Wahrheitsverdrehungen und missliebige Interpretationen, mit denen natürlich die Medien, zumindest ein bestimmter Teil davon, ihr böses Spiel trieben: Da werde wieder „Gesinnungsterror“ geübt und die „Faschismuskeule“ geschwungen, gegen einen Menschen, an dem alle, die ihn kennen gelernt hätten, „die Handschlagqualität und Ehrlichkeit“ geschätzt hätten und auch, wie „fair und korrekt“ er sich politischen Gegnern gegenüber immer verhalte.

Dabei sei alles ganz anders und ganz einfach gewesen, suchte Strache die gemischte Gemengelage ein für allemal zu klären. Als junger Mensch von kaum 18 Jahren habe er eine Frau „kennen und lieben gelernt“, ihren Vater, NDP-Chef Norbert Burger nota bene auch, und dass der ein praktizierender Rechtsextremer war, dürfte dem verliebten Jüngling erst nach und nach gedämmert sein: „Ich habe in diesem Kreis auch Personen kennen gelernt, die sich später politisch in eine Richtung entwickelt haben, die ich nicht teile.“ Denn auch in den „vielen Diskussionen und Auseinandersetzungen“ mit dem Fast-Schwiegervater sei er nicht schwankend geworden in seiner Weltanschauung, die „in der Freiheitsbewegung von 1848“ verwurzelt sei und in den Idealen der deutschen Burschenschaften: „Meinungs- und Pressefreiheit, Freiheit der Wissenschaft und Lehre.

Leidende Burschenschafter

Gerade die Burschenschaften waren Eckpfeiler und Mitbegründer der Demokratie.“ Da könne er allen, die daran zweifelten, nur mit Bruno Kreisky zurufen, Geschichte zu lernen, denn wer gelernt habe, der wisse, wie sehr die Burschenschafter unter dem Nationalsozialismus gelitten hätten. Auch der Hitler-Attentäter Stauffenberg sei ein Burschenschafter gewesen, der sei doch über alle Zweifel erhaben und „aller Ehren wert“. Dass er, Strache, mit den „anderen“, die dann den Weg eingeschlagen hätten, zu dem er „eine klare Trennlinie“ gezogen habe, „im Wald spielen“ war, sollte man jugendlichem Leichtsinn zurechnen, mit 18 könne man noch keine „gefestigte Meinung“ haben.

Toleranz verlangt

Ein wenig Toleranz wäre da schon angebracht, mahnte Strache unter Berufung auf die eigene: „Wenn einer in Moskau den Boden küsst, muss er noch kein KGB-Agent sein.“ Überhaupt sollten manche vor der eigenen Tür kehren: Die ÖVP habe immer noch ein Bild von Engelbert Dollfuß im Parlamentsklub hängen, der bekanntlich „unter jeder Kritik“ gewesen sei. Er, Strache, habe dagegen „immer schon ein patriotisches Gefühl“ in sich verspürt, auch hätten ihn als „überzeugten Antikommunisten“ die Mordanschläge der RAF „bewegt und geprägt“. Eine gewisse „Wehrbereitschaft“ hätte er verspürt, das schon, daher habe er auch seinen Wehrdienst abgeleistet, und „es war und ist nicht verkehrt, antikommunistisch geprägt zu sein“. Vor allem, wenn man sehe, was in Deutschland dabei herausgekommen sei, etwa beim gewaltbereiten Joschka Fischer, der zu seiner wilden Zeit außerdem schon 28 Jahre alt gewesen sei.

"Nie Mitglied gewesen"

Er sei weder Mitglied bei der RAF noch bei der VAPO noch in anderen gewalttätigen Gruppen gewesen, habe keine Vorstrafen und nie jemandem ein Leid angetan. Das Foto, das ihn mit dem Drei-Finger-Gruß zeige, sei ein gutes Beispiel, wie aus Fotosequenzen eine „Manipulation“ zusammengeschnitten werden könne: Niemand würde dem ehemaligen französischen Staatspräsidenten, Charles de Gaulle einen Nazi-Gruß unterstellen, bloß weil er mit ausgestrecktem Arm fotografiert worden sei. Oder der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die mit drei ausgestreckten Fingern abgebildet sei. Er fordere ein „Recht auf Objektivität und das Ende bewusster Falschdarstellungen. Gegen seine Ex-Frau werde „Stalking“ betrieben, und das sei „Stürmer-Stil“, klagte Strache: „Irgendwann muss Schluss sein. (Samo Kobenter, DER STANDARD, Printausgabe, 30.1.2007)

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