Streit um Browser-Technologie

19. Juli 2000, 16:52

Die "Innovationen" des Internet Explorer 5.5 bringen Microsoft heftige Kritik ein

Microsoft wurde aufgrund seines neuen Browsers heftig kritisiert, berichtet der Online-Dienst Cnet. Microsofts Internet Explorer bietet in der Version 5.5 erstmals Tools für Programmierer, mit denen man mit wenig Aufwand komplexe Seiten erstellen kann – diese sind aber mit anderen Browsern wie Netscape oder Opera nicht sichtbar. Als würde der Software-Riese dies illustrieren wollen, so erschien die Download-Site des IE 5.5 nicht auf Netscape-Browsern.

Die Kritiker, eine Gruppe von Anwälten namens WaSP (Web Standards Project), fordern Programmierer nun auf, auf die Simplizität zu verzichten und auf die Kompatibilität zu achten.

Microsofts neue Tools sind vor allem Shortcuts für Dynamic HTML (DHTML), welches Cascading Style Sheets, JavaScript und HTML enthält. Der Internet Explorer unterstützt DHTML seit Version 5.0.

Macromedia, deren Animationstechnologie "Flash" schon lange einen Standard darstellt, haben mittlerweile auch Komponenten entwickelt, die sich über DHTML leichter auf Webseiten integrieren lassen. Experten befürchten nun, dass sich Programmierer nur noch auf die Microsoft-eigene Technologie konzentrieren und dies zum Nachteil für User werden könnte. Macromedia verteidigt seine Entscheidung: sie übernähmen nur die Vorteile der "dominanten Browser-Plattform", meint Tom Hale, Senior Vice President of Product Marketing Macromedias. Laut einer aktuellen Studie hält der IE 86 Prozent des Marktes: "Wir versuchen lediglich dem Autor und dem User gute Erfahrungen zu bescheren" - sagt Hale.

Laut Rebecca Norlander, Group Program Manager bei Microsoft, könne man nicht darauf warten, dass eine neue Technologie zum Standard werde; man müsse weiter nach Innovationen suchen. Kritik erntet sie von Jeffrey Zeldman (WaSP): „Wir fürchten, dass falls die Programmierer beginnen, wie Microsoft zu arbeiten“. (eru)

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