Immo-Boom reißt nicht ab

19. März 2007, 15:20
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Mit Warimpex ist die Wiener Börse um einen Immobilienwert reicher. Eine Überhitzung des Marktes wird nicht gesehen, Anleger sollten sich aber gut über ihre Portfolios informieren

Wien - Die Wiener Börse entwickelt sich schön langsam zur Spezialbörse für Immobilien. In Summe liegt die Börsenkapitalisierung aller Immobilienaktien bereits bei rund 15 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Denn neben den großen in Wien notierenden Immobilienwerten wie Immofinanz, Immoeast, Meinl European Land, CA Immo oder Conwert feierte am vergangenen Freitag die Warimpex ihr Börsendebüt. Dass die Nachfrage nach Immowerten nicht abreißt, zeigt die 16,5fache Überzeichnung der Emission. Der laufenden Meinl-Kapitalerhöhung werden, wie in den Vorjahren, noch etliche andere folgen.

Eine Überhitzung des Marktes oder gar das Platzen einer Immobilienblase sehen die Betroffenen nicht. Warimpex-Chef Franz Jurkowitsch: "Jede Gesellschaft hat ein anderes Geschäftsmodell, die einen setzen auf Shoppingcenter, die anderen auf Büros und Wohnungen und wir auf Hotels." Wenn es volkswirtschaftlich zu Problemen kommt, dann sind nicht alle Sparten gleichzeitig betroffen. Mit steigender Kaufkraft in Osteuropa steige auch die Nachfrage nach Immobilien. Und das Wirtschaftswachstum liege in den CEE-Ländern überall um die fünf Prozent oder darüber. Davon profitieren die Anbieter von Shoppingcentern, Hotels und Wohnungen.

Warnung vor Klumpenrisiko

Dennoch gibt auch mahnende Stimmen. Die Anleger sollten sich informieren, in welchen Regionen die Gesellschaften tätig sind, ob das Portfolio einzelne Großprojekte hat und daher ein Klumpenrisiko nicht ausgeschlossen werden könne. Trotz der hohen Wachstumsraten wird immer wieder auch auf das politische Risiko in der Ostregion hingewiesen. Und die Anleger sollten ein Auge auf die "Beherrschbarkeit und Überschaubarkeit" des Portfolios haben. Wenn jemand von Deutschland über die USA bis nach Russland tätig ist, sollte man sich fragen, ob das noch verwaltet werden könne.

Zudem sollte darauf geachtet werden, dass das Immobilienvermögen nicht unter dem Börsenwert der Gesellschaft liegt. Wesentlich sei auch die Relation Fremdkapital zu Eigenkapital. Wie viel Kredite auf das Immobilienvermögen aufgenommen wurden, sei ganz wesentlich bei steigenden Zinsen. Weil höhere Zinszahlungen die Erträge und das Kurspotenzial für Aktionäre schmälern: dann, wenn immer mehr Mieteinnahmen für die Fremdkapitalzinsen aufgenommen werden müssen.

Weitere Hotel-Expansion

Die Warimpex selbst wird die 58 Mio. Euro, die sie aus dem Börsengang lukrierte, für die weitere Hotel-Expansion verwenden. Zehn Hotels werden zwischen 2007 und 2010 eröffnet: eines in Pilsen, eines in Warschau, zwei in Krakau eines in Lodz, eines in Katowitz, eines in St. Petersburg, zwei in München und eines in Berlin. In Bialystok, zwischen Warschau und der weißrussischen Grenze, wird 2008 ein Shoppingcenter eröffnet. Etwa die Hälfte der Projekte gehören der Warimpex zur Gänze, die anderen teilt sie sich mit dem heimischen, ebenfalls börsennotierten Projektentwickler UBM, an dem die Porr einen wesentlichen Anteil hält.

In den nächsten Monaten werden die Verträge mit dem Betreiber für die Low-Budget-Hotelschiene unterschrieben. 20 bis 25 dieser Hotels werden in den kommenden fünf bis sieben Jahren in Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei errichtet. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 29.1.2007)

  • Das Sobieski-Hotel in Warschau gehört zur Warimpex, ebenso wie zehn weitere Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Zehn neue Hotels werden bis 2010 eröffnet. Zudem entsteht eine Low-Budget-Schiene.
    foto: warimpex

    Das Sobieski-Hotel in Warschau gehört zur Warimpex, ebenso wie zehn weitere Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Zehn neue Hotels werden bis 2010 eröffnet. Zudem entsteht eine Low-Budget-Schiene.

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