"Die Rache rechter Recken"

1. Februar 2007, 13:07
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FP-Weinzinger: Küssel hat Fotos an die Öffentlichkeit gespielt - Vilimsky: BZÖ will Strache demontieren

Wien - Die zuletzt aufgetauchten Fotos, die FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Korporierten-Montur beim so genannten "Kühnen-Gruß" zeigen (benannt nach dem mittlerweile verstorbenen deutschen Neonazi Michael Kühnen), hatte der FPÖ-Chef erst als "Gruß der Südtiroler Freiheitskämpfer" bezeichnet. Das zog er später zurück, um vage zu beteuern, es habe sich auch um "keinen Nazi-Gruß" gehandelt.

Zu den zuvor aufgetauchten Fotos, die den jungen Strache bei "Wehrsport-Spielen" in Kärnten zeigen, lautete die Erklärung: Es habe sich nur um Paintball- oder "Gotcha"-Spiele gehandelt, wie sie auch "in Amerika von tausenden gespielt werden".

Wer die Fotos an die Öffentlichkeit gespielt hat, ist für die Blauen mittlerweile klar: Gottfried Küssel soll es gewesen sein, in den 90er-Jahren wegen NS-Wiederbetätigung zu elf Jahren Haft verurteilt, der offenbar immer wieder Straches Kreise streifte.

"Neonazi-Kreise"

Der oberösterreichische FPÖ-Chef Lutz Weinzinger sagte gegenüber der ORF-Sendung "Hohes Haus", er sei sicher, "dass irgendwelche Neonazi-Kreise der FPÖ Schwierigkeiten machen wollen". Weinzingers Begründung: Den Fotos, die Straches innerparteilichem Rivalen Ewald Stadler "zugespielt" worden seien, liege seine, Weinzingers, "Ehrenerklärung" an Küssel bei. Diese habe er geben müssen, weil er diesen einen "Idioten" genannt habe. Weinzingers Fazit: "Es kann also nur von ihm kommen."

Ob mit oder ohne Hilfe des BZÖ - darüber gibt es unterschiedliche Ansichten in beiden Parteien. Nachdem BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz den Rücktritt Straches gefordert hatte, schlug FP-Pendant Harald Vilimsky zurück: Das BZÖ habe "mehrfach versucht, sich an uns anzubiedern", sagte Vilimsky Sonntag zum STANDARD. Dies werde die FPÖ "zu geeigneter Zeit" mit "Gesprächsprotokollen und Unterlagen belegen". Als das gescheitert sei, habe man beschlossen, Strache zu demontieren - damit er einer von der ÖVP gewünschten Wiedervereinigung nicht im Wege stehe. Denn das BZÖ, so vermutet die FP, wolle noch immer der VP die Bildung einer "bürgerlichen Dreierkoalition" und damit die Rückeroberung des Kanzlersessels ermöglichen.

Fotos als "Rache rechter Recken"

Das wird bei den Orangen heftig dementiert - und hinter vorgehaltener Hand eine andere Variante erzählt. Stadler habe früher durch die FP-Parteiakademie immer wieder den sehr rechten Kreisen um Küssel "Aufmerksamkeiten" zukommen lassen, sagte ein Insider zum Standard. Dass Strache Stadler die Leitung der Akademie nun verweigerte, habe diese ins Mark getroffen. Die kompromittierenden Fotos seien "die Rache rechter Recken". Überdies gelte Strache in diesen Kreisen, auch wegen dessen "Anbiederung an die SPÖ", als "Verräter". (Petra Stuiber, DER STANDARD, Printausgabe 29.1.2007)

  • 8. Mai 2004: "Totengedenken" am Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gedenkt "aller Opfer, gleich, unter welcher Fahne sie standen".
    foto: fischer

    8. Mai 2004: "Totengedenken" am Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gedenkt "aller Opfer, gleich, unter welcher Fahne sie standen".

  • 8. Mai 2004: Der wegen Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilte Vapo-Gründer Gottfried Küssel ist Gast beim "Totengedenken" und lauscht Straches Rede.
    foto: fischer

    8. Mai 2004: Der wegen Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilte Vapo-Gründer Gottfried Küssel ist Gast beim "Totengedenken" und lauscht Straches Rede.

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