"Ball steht so gut da wie noch nie"

16. März 2007, 10:02
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Gürtler dementiert Rücktrittsgerüchte - Ob Paris Hilton wegen "privat" mitgebrachter Getränke der Oper verwiesen würde, entscheide Holender

Wien - Im achten Jahr ihrer Regentschaft über den Opernball hat Organisatorin Elisabeth Gürtler allen Grund, stolz zu sein: Die "Marke" Opernball hat sich international etabliert, die Veranstaltung am 15. Februar dürfte einmal mehr für Rekordeinnahmen für das Sangeshaus sorgen, und mit Anna Netrebko wurde ein Spitzengast für die Eröffnung gewonnen. "Der Ball steht so gut da wie noch nie. Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie ich ihn noch verbessern kann", sagte die Sacher-Chefin im APA-Interview. Einen Bericht, demzufolge sie die Organisation gänzlich zurücklegen könnte, dementierte sie.

1,1 Millionen Euro Reingewinn

Die "üblichen" 1,1 Millionen Euro Reingewinn für die Oper dürften heuer übertroffen werden. Neben der Reduktion der Kosten werden die Mehreinnahmen vor allem durch die umstrittene Donatoren-Regelung erwirkt. Dabei erhalten Firmen oder Personen, die sich verpflichten, die Oper ein Jahr lang mit 36.800 Euro zu unterstützen (zum Vergleich: Eine "normale" Bühnenloge kostet 16.000 Euro), vom Sangeshaus ein Leistungspaket, das unter anderem eine Loge für den Ball beinhaltet.

"Wucher"

Gürtler verteidigt diese von Kritikern als "Wucher" bezeichnete Regelung. "Ich bin so menschengläubig, dass ich annehme, dass die Personen und Firmen, die die Oper unterstützen, das auf Grund der Verbundenheit zum Haus und zur Förderung der Künste machen - und nicht nur wegen einer Opernball-Loge", sagte die Sacher-Chefin. Für Stammgäste, die keine Donatoren werden wollen, würden zudem weiter Logen zur Verfügung stehen. "Vielleicht aber natürlich nicht die, die sie sich wünschen", so die Sacher-Chefin.

Lugners Loge

Auch Richard Lugner würde demnach im kommenden Jahr "selbstverständlich eine Loge bekommen" - selbst wenn ihn Staatsoperndirektor Ioan Holender - wie angekündigt - als Donator ablehnen sollte. Das Verhältnis zwischen dem Society-Löwen und den Organisatoren dürfte überhaupt gar nicht so schlecht sein, wie manchmal kolportiert wird. "Richard Lugner ist einer der bunten Vögel, er gehört einfach dazu", meinte Gürtler. Und auch wenn der Sacher-Chefin selbstredend kein Wort des Lobes zu entlocken war, so widersprach sie zumindest nicht, dass der Baumeister mit seinen schrillen Gästen mit einer Art "Guerilla-Marketing" der internationalen Bekanntheit des Balles durchaus zuträglich ist.

Falsch berichtet

Wirkliche Gefahr kommt von einer ganz anderen Seite. "Es wurde einmal falsch berichtet, dass ein Unternehmen Personen als eine Art 'Belohnung' auf den Opernball eingeladen hat. Das war wirklich ein Problem. Manche Besucher bekamen Angst, dass sie in den Ruch der Bestechung kommen könnten, wenn sie jemanden einladen", meinte Gürtler.

Hilton Besuch "kein Problem"

Auch der Besuch von Paris Hilton sei in Wahrheit kein großes Thema: "Ich frage auch die anderen Gäste nicht, was sie in ihrem Privatleben alles machen. Wenn sie sich an die Hausordnung hält und die anderen Besucher nicht gestört werden, dann gibt es kein Problem". Doch gerade diese zwei Vorgaben dürften alles andere als einfach durchzusetzen sein: Der Besuch von Hilton wird nämlich von einem Prosecco-Hersteller mitgesponsert, der natürlich alles daran setzen dürfte, sein Getränk auch kameragerecht in Szene zu setzen.

"Wir sind ja sehr höflich"

Gespräche darüber, den Dosen-Prosecco in der Lugner-Loge "offiziell" ausschenken zu dürften, scheiterten. "Wir haben eine Firma, die die Produktexklusivität hat", sagte Gürtler. Ob Hilton, falls sie nun plötzlich das Getränk aus ihrer Handtasche zaubern sollte, der Oper verwiesen wird, sei die Entscheidung von Direktor Ioan Holender. Würde aber im Cafe des Sacher ein Gast ein selbstmitgebrachtes Getränk konsumieren, so würde man ihn darauf aufmerksam machen, dass dies nicht toleriert werde - in aller Form natürlich, aber bestimmt. "Wir sind ja sehr höflich", meinte Gürtler.

Um die anderen Besucher vor der traditionellen Keilerei der Journalisten vor der Lugner-Loge zu bewahren, will Gürtler heuer erstmals eine Kordel aufspannen, damit eine Schneise zur Wand freibleibt. "Man muss ja zumindest durchgehen können", sagte die Sacher-Chefin.

Blätter statt Blumen

Bei einem anderen Problem haben sich die Organisatoren heuer elegant aus der Affäre gezogen: Nachdem im vergangenen Jahr ein regelrechter "Rosenkrieg" um "Fair Trade"-Blumen ausgebrochen war, der sogar dazu geführt hat, dass die Sacher-Chefin von manchen Aktivisten persönlich belästigt worden ist, setzt man heuer auf Blätter. Da es unmöglich sei, einen Tag nach Valentinstag derartig viele Blumen zu erhalten, werde man heuer auf Blumen verzichten, hieß es.

Gutes Verhältnis zu Holender

Ihr Verhältnis zu dem dominierenden Staatsoperndirektor Holender, der erst kürzlich ausgerechnet die traditionelle Opernball-Pressekonferenz dazu genutzt hatte, seine Abneigung gegen die Veranstaltung unverhohlen kund zu tun, sei gut. "Er ist der Direktor. Es muss einen geben, der letztlich entscheidet. Das akzeptiere ich natürlich", sagte Gürtler. "Auf den Tisch hauen" würde sie lediglich in ihrem eigenen Haus, "aber nicht in der Oper".

Wohin der Ball in den kommenden Jahren gehen wird, weiß Gürtler nicht. "Ich habe derzeit keine Ideen mehr", sagte die Sacher-Chefin. Einen Rückzug von der Organisation schloss sie derzeit aber aus: "Er macht mir einen Riesenspaß." (APA)

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    Elisabeth Gürtler: "Wir sind ja sehr höflich" - auch zu Paris Hilton.

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