Luzius Wildhaber kehrte im Oktober 2006 mit schwerer Krankheit von Russland-Besuch zurück
Zürich - Der frühere Präsident des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg, der Schweizer Richter Luzius Wildhaber, schließt einen russischen Giftanschlag auf ihn nicht aus. Wie die "NZZ am Sonntag" berichtete, könnte er nach eigenen Worten bei einer dreitägigen Reise in Russland vergiftet worden sein. Das habe Wildhaber eine Woche nach seinem Ausscheiden aus Altersgründen aus seinem Amt berichtet.
Der Gerichtshof in Straßburg stand mehrmals im Konflikt mit der russischen Regierung, unter anderem wegen Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien. Wildhaber spricht von Druckversuchen und einer Erpressung seitens Präsident Wladimir Putin. "Ich habe mir überlegt, die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten", sagt er. "Ich sah es aber als nicht Erfolg versprechend an", sagte der angesehene Jurist, der in Österreich einer breiteren Öffentlichkeit als einer der "drei Weisen" zur Beendigung der so genannten EU-Sanktionen im Jahr 2000 bekannt geworden war.
Blutvergiftung festgestellt
Er sei Ende Oktober in Russland unterwegs gewesen, von wo er mit einer schweren Krankheit zurückgekehrt sei, sagte Wildhaber. Im Krankenhaus in Basel wurde eine Blutvergiftung festgestellt. Ihre Ursache ist bis heute nicht geklärt. Wildhaber schließt nicht aus, dass ihn jemand vergiften wollte. "Nach allem, was ich in Straßburg erlebt habe, muss ich alle Varianten in Betracht ziehen", sagte er.
Eine Klärung durch die Gerichtsmedizin war nicht möglich, da das Krankenhaus die Blutproben Wildhabers vernichtet hatte. Der Schweizer Wirtschaftsanwalt Karl Eckstein, der Wildhaber am letzten Tag der Russlandreise begleitet hatte, erkrankte nach dem Bericht der Zeitung an ähnlichen Symptomen. (APA/dpa)