Enttäuschung zum Schluss

31. Jänner 2007, 16:00
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Italienische Speise, Tag 15: Tolle Aussicht, liebloses Essen

Manche Erfahrungen muss der Mensch selbst machen. Da können Herr Hilberg und ich noch so oft von unserer Enttäuschung berichten, als wir 2000 erstmals das Piemont bereisten: Das viel und hoch gelobte Belvedere in La Morra war einfach nicht wirklich gut, oder anders gesagt, seinen Preis nicht wert.

Dabei waren wir damals schon von La Posta (nach dem Jubel von Josef Sodoma) etwas gefrustet, aber da selber schuld, weil wir quasi das Touri-Trüffelmenü gewählt hatten. Und: Wir kannten damals weder Madonna della Neve noch die Cantina Communale in Roddino, von Il Centro ganz zu schweigen. Aber im Mercato del Maurizio (Cravanzana) beispielsweise hatten wir schon erlebt, was man hier Feines erschmecken kann.

Gut, wir wollten La Morra diesmal am Abend vor der großen Heimfahrt nicht mehr verlassen. Aber die paar Kilometer weiter in den Ortsteil Santa Maria hätten wir es schon geschafft, in die Osteria del Vignaiolo. Die finde ich großartig, auch wenn man mir dort schon einmal die Steinpilze panierte. Vergeben und vergessen. Und Herr Hilberg trauert dem "wahrscheinlich besten halbflüssigen Schokokuchen der Welt" nach, den er dort wiederzusehen hoffte. Nachsatz: "Naja, noch zehn Monate..."

Nein, die werten Mitesser wollten sich nicht abbringen lassen vom Belvedere. Manche Erfahrungen muss, na, das hatten wir ja schon.

Herausragend der Weinvorrat

Herausragend, zugegeben, Weinkarte und Keller (eher hinabragend: zwei Etagen, 30 Meter unter der Oberfläche). Wenn ich mich recht erinnere um die 20.000 Flaschen besten Stoffs. Weniger hinreißend das Essen, auch wenn man die Steilvorlagen der vergangenen Tage in Rechnung stellt.

Die meisten nehmen das Menü, zum Abschied also noch ein Vitello tonnato (rosa Fleisch, ganz ok), noch ein Carne Cruda mit Parmesan und einem Hauch Trüffel (zwei Rufzeichen), ein Ei im Raviolo oder Artischockenflan mit Fonduta (ein Rufzeichen, immerhin). Ok die Tajarin mit Ragu di Salsice, zu salzig die Tagliatelle mit Steinpilzen. Das Lamm mit Kartoffeln ebenfalls ok, die Sauce dickmehlig und mit Haut wie im Landgasthaus, das Vitello, wiewohl in Barolo, zu trocken. Bisschen lieblos, das Ganze. Dass auch hier ein paar Steinpilze gebacken auftauchen, will ich gar nicht mehr hervorheben.

Einhelliges Urteil der Piemont-Posse: Kann man in Zukunft auslassen. Höchstens schicken wir noch einmal einen Scout aus, um doch noch den Barolo-Risotto zu kosten, den manch anderer Gast hier so lobte.

Italienische Speise Das Ziel: Piemont. Der Weg: Mit Bedacht und nicht zu schnell durch das nördliche Italien essen. Zwei Wochen lang. Das Ergebnis täglich in Schmeck's unterwegs. Warnhinweis: Dass ich die eine oder andere Speise fehlerhaft ab- und/oder aufgeschrieben habe, kann ich jetzt schon garantieren. Für Korrekturen und Anregungen stets dankbar. Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Zur schönen Aussicht

Belvedere
Piazza Castello
La Morra
0039 0173 50190
Zu acht mit sehr ordentlichen, fair bepreisten Weinen (u.a. Barolo Vigna Conca 1998 von Fratelli Revello) 520 Euro.
    fid

    Zur schönen Aussicht

    Belvedere
    Piazza Castello
    La Morra
    0039 0173 50190
    Zu acht mit sehr ordentlichen, fair bepreisten Weinen (u.a. Barolo Vigna Conca 1998 von Fratelli Revello) 520 Euro.

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