Integrative Parallelschwünge

12. September 2007, 08:20
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Gleichstellung als Angebot einer Skischule in Schladming und als Teil eines gewöhnlichen Familien-Aktivurlaubs

Wenn eine Schladminger Skischule in solch einem Winter um Vorreservierungen bittet, kann man sich nur wundern. Allerdings liegt das nicht an der hier versprochenen Geld-zurück-Garantie für Skikurse, bei denen das Lernziel nicht erreicht wurde. Es liegt auch nicht an den mittlerweile passablen Schneeverhältnissen, die das traditionelle Nachtrennen nächste Woche nun doch ermöglichen werden. Grund für die große Nachfrage ist das Angebot des Vereins "Freizeit Para-Special Olympics", der erfolgreich Skikurse für Menschen mit körperlicher, kognitiver oder multipler Behinderung veranstaltet.

Beliebig scheint der Standort der Skischule von Sabine Eham und von Armin Wagenhofer in Schladming nicht zu sein. 1993 fanden hier die Special Olympics Weltwinterspiele statt, seitdem unterhält "Special Olympics Österreich" ein permanentes Büro in der Stadt. Das ist schon deshalb relevant, weil die Arbeit der Skischule auch von der Mitarbeit Freiwilliger abhängt, die einem Skilehrer zusätzlich zur Seite stehen sollten. Wenn man so will, brachten diese Olympischen Spiele eine Vorleistung für die Bereitschaft, sich zu engagieren.

Die Schule, die ein gemeinnütziger Verein ist, versucht den Preis für eine Unterrichtsstunde in etwa dem einer Privatstunde in einer beliebigen Skischule anzupassen. Die Einnahmen aus den Kursen können daher nur zu rund 30 Prozent kostendeckend sein, Mehrausgaben, die durch die Anschaffung und Anpassung von spezialisiertem Sportgerät entstehen, werden durch Förderungen und Sponsoring lukriert - doch selbst in der zweiten Saison ist dieses Netzwerk noch nicht so dicht, dass das Fortbestehen der Schule langfristig gesichert wäre.

Außergewöhnlich ist jedenfalls der Ansatz des Vereins, diese Tätigkeit keineswegs als minoritäres "Spezial"-Programm zu positionieren, sondern als Teil eines gewöhnlichen Familien-Aktivurlaubs. Besonders deutlich wurde dies in der vergangenen Sommersaison, die der Verein als Neo-Veranstalter für Adventure- und Outdoor-Ferien entscheidend mitgestaltet hat. Angeboten wurden klassische Disziplinen wie Rafting, Paragleiten, Klettern oder Tauchen. Ob die Teilnehmer nun mit einer körperlichen oder mentalen Beeinträchtigung zu kämpfen hatten oder nicht, war letztlich irrelevant. Als Herausforderung für die gemischten Gruppen sollte die Sportart selbst gesehen werden, wer mehr und besondere Hilfe benötigte, bekam sie ganz einfach. Die Grundannahme, dass großer Bedarf für ein Ganzjahresprogramm besteht, das im Vorhinein weder eine Sportart noch die Möglichkeit eines integrativen, familiären Aktivurlaubs ausschließt, hat sich längst als zutreffend erwiesen. Acht barrierefreie Unterkünfte in und um Schladming sind ein Anfang, dieser Erkenntnis Rechnung zu tragen. (Sascha Aumüller/Der Standard/Printausgabe/27./28.1.2007)

  • Der geradlinige Blick nach vorne ist die wichtigste Botschaft der Skikurse von "Freizeit Para-Special Olympics".
    foto: steiermark tourismus/ikarus.cc

    Der geradlinige Blick nach vorne ist die wichtigste Botschaft der Skikurse von "Freizeit Para-Special Olympics".

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