BZÖ-Mann sprach von "Deal" mit dem ORF

5. März 2007, 12:16
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Anstalt weist das zurück - Redakteurin versetzt

Manch ORF-Redakteur hört eine Art Uhrwerk Orange im ORF ticken: Vorschläge einer Vier-Prozent-Partei finden überraschend oft in die wichtigste Nachrichtensendung, manche sogar zweimal.

So berichtete die "ZiB 1" binnen zwei Wochen doppelt über Peter Westenthalers Idee, Mitarbeiter an Unternehmensgewinnen zu beteiligen. Donnerstagabend fand der orange Wunsch nach niedrigeren Steuern auf Medikamente in die wichtigsten ORF-Nachrichten. Unüblich für eine Partei der Größenordnung, wundern sich ORF-Journalisten.

"Vorübergehende" Versetzung

Mehr als verwundert hat intern, dass eine Kollegin von der Berichterstattung über die BZÖ-Klubklausur abgezogen und aus der Innenpolitik in die ORF-Chronik versetzt wurde. Sie hatte versucht, dort Stellungnahmen zu den Bildern von Heinz-Christian Strache bei Kriegsspielen einzuholen. Bei der Klausur habe Orange-Funktionär Gerald Grosz die Redakteurin mit dem Hinweis abgewimmelt, es gebe "einen Deal" von BZÖ und ORF, hieß es intern.

In einer Redaktionssitzung der "ZiB" am Freitag war die Versetzung Thema. Chefredakteur Karl Amon sagte nach STANDARD-Infos, die "vorübergehende" Versetzung der Redakteurin habe nichts mit dem BZÖ-Bericht zu tun. Grosz habe schriftlich erklärt, es gebe keine Absprachen über ORF-Berichterstattung.

Alarmstufe Orange herrscht in Sachen BZÖ, weil diese Fraktion ORF-General Alexander Wrabetz im Sommer 2007 zur Wahl verhalf. Wrabetz setzte sich damals mit Westenthaler für eine Verschiebung von dessen "Sommergespräch" ein.

ORF: "Kein Deal mit BZÖ"

Der ORF hat am Samstag zurückgewiesen, es gebe in Sachen Berichterstattung einen "Deal" zwischen BZÖ und ORF. "Es gibt keinen wie immer gearteten Deal mit dem BZÖ, und dies gilt im Übrigen auch für alle anderen politischen Parteien", erklärte ORF-Kommunikationschef Pius Strobl der APA. Der ORF agiere sowohl unternehmenspolitisch und strategisch als auch in seiner Berichterstattung nach den Grundsätzen Objektivität und Unabhängigkeit.

Kolportierte Aussagen von BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz verwies Strobl ins Reich der Fantasie. Informationen, wonach eine "Zeit im Bild"-Redakteurin wegen ihrer BZÖ-Betreuung bzw. kritischen Berichterstattung aus dem Innenpolitik-Ressort abgezogen worden sei, dementierte der ORF. "Mit den BZÖ-Berichten hat das nichts zu tun. Wahr ist, dass es in der ORF-Information und auch in der ZiB-Redaktion immer wieder zu Rochaden kommt, gerade in Zeiten, wo sich die Fernsehinformation auf Grund des neu geplanten Sendeschemas und der zahlreichen Innovationen bei den ZiBs im Umbruch befindet", erklärte Stobl.

EU ins Ausland

Hans Bürger, "ZiB"-Ressortchef Innenpolitik und EU, kritisierte unterdessen bei einer Diskussion die Verlegung der EU-Agenden ins Auslandsressort des ORF-Fernsehens als "Rückschritt". (Harald Fidler/DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.1.2007, ergänzt am 27.1.)

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