Superstars mit kurzer Halbwertszeit

23. Februar 2007, 18:06
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Der Glanz von Castingstars ist mitunter vergänglich. Einzelne sind darüber auch ganz froh

Die Zuschauerzahlen bröckeln, die Branche - darunter der ORF - ist nach wie vor Feuer und Flamme fürs Wettsingen. Der Glanz von Castingstars ist mitunter vergänglich. Einzelne sind darüber auch ganz froh, berichtet Doris Priesching.

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Starmania" ist ein bisschen wie Silvester und "Dinner for One": "Same procedure as every year." Arabella Kiesbauer zieht die Entscheidung wie üblich in die Länge wie einen Strudelteig, der Sieger jubelt, die Verlierer weinen, die Beteiligten fallen sich in die Arme, begleitet vom Kreisch-, Brüll- und Trampelkonzert des anwesenden Publikums. Dazwischen viel Werbung und zum Schluss noch einmal Tränen, winke, winke, fertig.

Und sonst? "Meine Tochter schaut das nicht mehr an", erzählt ein Vater von seiner Zwölfjährigen. Wenn aber schon diese Altersgruppe nicht mehr dabei ist?

Erfolgsverwöhnt

Ganz schön viele, beharrt der ORF. Immer noch. Am Küniglberg beteuert man hartnäckig: "Starmania" war auch im dritten Aufguss ein Erfolg. In Wahrheit dümpelte die Quotenkurve lange Zeit vor sich hin, erst zum Schluss hin und mit neuem Programmplatz im Hauptabend konnte die Millionengrenze wieder erreicht werden. Von jenen 1,5 Millionen Zuschauern 2003 blieb man entfernt. Trotzdem: Für die TV-Sender lohnt sich der Aufwand immer noch. Sie freuen sich auch über nicht mehr so hohe Marktanteile unter den zahlreichen begeisterungsfähigen Teenagern, deren kaufkräftige Eltern gerne für Zubehör wie Taschen, T-Shirts und Computerspiele gerne ins Geldbörsel greifen. Den Plattenfirmen verhelfen die "Superstars" ebenfalls zu erklecklichen Mehreinnahmen, und vor jeder neuen Castingshow stehen die hoffnungsfrohen Talente Schlange und begeben sich freiwillig in ein neues, oft von Knebelverträgen (siehe Interview unten) geprägtes Leben. Ein fairer Deal, wer braucht da ein Millionenpublikum? Demzufolge können alle Beteiligten von Castingshows gar nicht genug bekommen. In rund fünfzig Ländern wurde weltweit via TV gecastet. Shows gab und gibt es in Kasachstan ebenso wie in Westafrika, Indien, Malaysia und Armenien. Allein in den USA wurde bereits fünfmal ein "American Idol" gekürt.

Und die "Talente"? Wenige konnten wie die österreichische (zweitplatzierte) Christina Stürmer durchstarten. Die Halbwertszeit solcher "Karrieren" ist meist kurz. Es reicht für eine CD, ein großer Hit. Auch der jetzt so gefeierten 12-jährigen Bianca Ryan wird es höchstwahrscheinlich nicht anders ergehen.

In Österreich leichter als in Deutschland

So schnell können sie dann gar nicht schauen, sind Platten- und Werbeverträge gekündigt. Die Schmach des Scheiterns müssen sie später alleine tragen.

In Österreich ist das leichter als bei Nachbar Deutschland: Dort müssen sich auf RTL die Gesangstalente nicht nur mit dieser ernüchternden Zukunft auseinandersetzen, sondern auch den Spott des Brachialhumoristen Dieter Bohlen aushalten. Der versorgt sie bei Nichtgefallen mit aufmunternden Sprüchen, wie: "Bei mir kommen solche Geräusche aus anderen Öffnungen". (DER STANDARD; Printausgabe, 27./28.1.2008)

  • Die Einsamkeit im Rampenlicht ist manchmal der Preis für den Ruhm.
    foto:orf/ali schafler

    Die Einsamkeit im Rampenlicht ist manchmal der Preis für den Ruhm.

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