200-Billionen-Dollar-Frage

28. März 2007, 15:02
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Was könnte dazu führen, dass die makroökonomische Volatilität wieder ansteigt? - Von Kenneth Rogoff

Der vielleicht bemerkenswerteste Trend in der globalen Makroökonomie in den letzten beiden Jahrzehnten war der phänomenale Rückgang der Volatilität des Produktionswachstums. In den USA ist zum Beispiel die Produktionsvolatilität pro Quartal seit Mitte der 80er-Jahre um mehr als die Hälfte gesunken. Die Volatilität in Asien sank erst nach der Finanzkrise der späten 90er-Jahre. In Japan und Lateinamerika nahm die Volatilität erst in diesem Jahrzehnt signifikant ab. Doch jetzt ist der Rückgang nahezu überall da – mit gewaltigen Auswirkungen auf die globalen Kapitalmärkte.

In der Tat lautet die Hauptfrage für 2007, ob die makroökonomische Volatilität weiter abnehmen wird, was zu einem weiteren sensationellen Jahr für die Märkte und den Wohnungsmarkt führen würde, oder ob sie vielleicht aufgrund wachsender geopolitischer Spannungen wieder ansteigt. Ich neige eher dem optimistischen Szenario zu. Aber besonders die Investoren müssen erkennen, dass ein Anstieg der makroökonomischen Volatilität selbst dann, wenn die positiven Trends in der Globalisierung und beim technischen Fortschritt weitergehen, immer noch zu einem massiven Preissturz bei Anlagen führen könnte.

Das bringt uns zur 200-Billionen-Dollar-Frage (der ungefähre Wert der globalen Geld- und Kapitalmärkte einschließlich des Wohnungsmarkts): Was könnte dazu führen, dass die makroökonomische Volatilität wieder ansteigt? Man sollte nicht an die Zentralbanken denken; die meisten können kurzfristige Risiken gut bewältigen. Hedgefonds könnten eine Panik auslösen.

Meiner Meinung nach stellt die geopolitische Instabilität das größte Risiko dar. China für die USA ein wesentlich konstruktiveres Gegenüber, als die ehemalige Sowjetunion es je war. Chinas Machthaber stehen immer noch vor enormen Herausforderungen, die Stabilität im Inland aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig gibt es mindestens ein halbes Dutzend Krisenherde weltweit, die einen größeren Einbruch im Welthandel auslösen könnten.

Kurzum: Wenn sich die makroökonomische Mäßigung, die 2006 vorherrschte, 2007 fortsetzt, kann man mit weiteren Preissteigerung bei Anlagen rechnen. (© Project Syndicate, 2006. Aus dem Englischen von Anke Püttmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27./28.1.2007)

Zur Person
Kenneth Rogoff ist Professor für Wirtschaft und Public Policy an der Universität Harvard und ehemaliger Chefökonom des IWF.
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    Kenneth Rogoff

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