Vranitzky: Aussage zu Strache-Fotos "alte Masche der Rechten"

15. März 2007, 11:40
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Heftige Kritik in der SPÖ an „Verharmlosung“ durch Gusenbauer und Cap - Vilimsky: "Fair und objektiv" - Öllinger: "Erbärmlich"

Wien – Altbundeskanzler Franz Vranitzky zeigt sich im Gespräch mit dem STANDARD empört über die Aussage von SP-Klubobmann Josef Cap, die „Jugendtorheiten“ von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache seien mit der Vergangenheit von Joschka Fischer als „Streetfighter“ zu vergleichen: „Das ist genau die alte Masche der Rechten – Werfts uns nichts vor, weil die Bolschewiken sind viel ärger.“ Zahlreiche Freunde hätten ihn angerufen, sagt Vranitzky, um ihre Empörung über Cap auszudrücken.

Er selbst habe Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, der Straches „Wehrsport“ als lässliche Jugendsünde bezeichnet hatte, wissen lassen, dass „das nur eine Augenblicksmeinung sein kann“, und keine längerfristige politische Strategie, „weil aus dieser Ecke nie etwas Konstruktives kommen kann, ob das Haider ist oder Strache, ob Mölzer oder Stadler“.

Protest über "Verharmlosung"

Gusenbauers Verteidigung von Strache sorgt in der SPÖ für heftige Diskussionen. Protestiert haben etwa die Sozialistische Jugend und mehrere Abgeordnete. Am Freitag meldete sich die oberösterreichische SPÖ-Abgeordnete Sonja Ablinger zu Wort und äußerte ihr Befremden über die „Verharmlosung der Strache-Affäre durch Gusenbauer und Cap“. Es sei das „völlig falsche Signal, rechte Umtriebe als Bubenstreiche zu bezeichnen, aus denen man Strache keinen Strick drehen soll“, sagt Ablinger. Auch was die Wortwahl von Gusenbauer betrifft, hat Ablinger ihre Probleme: „Die Demonstranten gegen die Regierung als gewaltbereite Kommunisten zu bezeichnen, Straches Wehrsportauftritte aber als Jugendtorheiten zu verharmlosen – wo bleibt da die Verhältnismäßigkeit?“

Gusenbauer selbst sagt in der Wiener Zeitung: Er glaube, dass hier eine eindeutige Stellungnahme „dringend notwendig“ wäre. Dieser Aufforderung will die FPÖ nachkommen, gab FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky am Freitag in einer Aussendung bekannt. Wann und in welcher Form diese stattfinden soll, sei noch nicht fixiert, sagte Vilimsky auf Nachfrage der APA. Bei Bedarf werde es danach auch eine persönliche Aussprache mit Gusenbauer geben. Das Vorgehen des Kanzlers sowie "maßgeblicher SPÖ-Politiker" in der Affäre rund um Fotos, die Strache bei angeblichen Wehrsportübungen zeigen, bezeichnete Vilimsky als "ausgesprochen fair und objektiv".

"Erbärmliche Politik"

"Klare Worte" des Bundeskanzlers forderte unterdessen der stellvertretende Grüne Klubobmann Karl Öllinger. Er vermutet, dass die SPÖ dazu aber nicht bereit sei, weil man "die FPÖ und Herrn Strache" vielleicht noch einmal brauchen könnte, so Öllinger, der von einer "erbärmlichen Politik" sprach. Für Öllinger ist Strache jedenfalls rücktrittsreif: Er habe sich "nicht distanziert, nicht offengelegt" und sich auch "politisch nur wenig verändert", so Öllinger.

Für KPÖ-Bundessprecher Mirko Messner macht das Vorgehen Gusenbauers "einmal mehr" einen "nachhaltig gestörten Umgang" mit der eigenen Geschichte deutlich. Wie Öllinger vermutet auch er, dass sich die SPÖ die Freiheitlichen als eventuellen künftigen Koalitionspartner warm halten wollen - das sei der "wirkliche Skandal", so Messner. (rau, völ, DER STANDARD, Printausgabe 27./28.1.2007/APA)

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    Zahlreiche Freunde hätten ihn angerufen, sagt Vranitzky, um ihre Empörung über Cap auszudrücken.

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