Who wants to be an Emillionaire?

17. Juli 2000, 22:50

Der britische Sender Channel 4 kürte in einer aufsehenerregenden Fernsehshow die beste dot. com-Geschäftsidee

Der britische Fernsehsender Channel 4 wähnte sich einmal mehr am Puls der Zeit. Während anderswo junge Leute in einen Container gesperrt wurden um sich wochenlang gegenseitig zu nerven, oder abenteurlustige Mitzwanziger auf einer einsamen Insel ihr Überleben sicherstellen mussten, lobte die rennomierte TV-Station eine Million Pfund für die beste Internet-Geschäftsidee aus.

7000 Kandidaten

Als Anfang des Jahres die "Emillionaire Show" auf Sendung ging, gab es kaum aufregenderes als das Kürzel dot.com. 7000 Kandidaten sandten Vorschläge ein, 15 wurden von einer Jury, der unter anderem das Beratungsunternehmen Andersen Consulting angehörte, ausgewählt um vor laufenden Kameras das Publikum von ihrer Start-up-Idee zu überzeugen.

Das die Neue Wirtschaft inzwischen gehörig ins Schleudern geriet und das Wort "dotcom" vielerorts Magenkrämpfe verursachte, tat der Begeisterung keinen Abbruch. Starmoderator John Snow gab sich zuversichtlich: "Die E-conomy wird unser aller Leben verändern, grundlegend, total und das trotz aller Zweifler und Skeptiker."

"Glanzstunde mit Grauschleier"

Nichtsdestotrotz hagelte es für das ambitionierte Sendekonzept auch Kritik: "Bunt und knallig will man sein, der Geist ist willig, doch die Show ist schwach. Damit ist The-Emillionaireshow nur ein weiteres Beispiel, wie sich ein einstmals guter Sender im Quotenkampf auf die banalste Ebene des Internet-Goldrauschs einlässt, inklusive Großmütter aus Verkabelterkleinstadt.com und Zinnsoldatenüberswebverkäufer.co.uk und der großartigen Botschaft, dass wir alle unser Leben verändern könnten, wenn wir nur einmal eine Idee hätten. Doch das ist, im Jahr 2000, zu wenig, zu spät", rümpfte Armin Medosch vom Onlinemagazin TELEPOLIS die Nase.

And the winner is...

Am Sonntag war es dann trotz aller Unkenrufe soweit. Aus den fünf verbliebenen Projekten - darunter ein digitaler Melodien-Generator (com-poser.com) und einem virtuellen Einkaufshelfer (beebboutique.com) wurde unter reger Publikumsbeteiligung der "Zlatko des E-Commerce" gekürt. Der Brite Collin Robertson konnte für sein Schulhilfeprojekt "schoolsforschools.com" eine Million Pfund (rund 22 Millionen Schilling) Venture Capital mit nach Hause nehmen. Auch das Publikum ging nicht leer aus. Eine einprozentige Beiteiligung am künftigen Highflyer wurde unter den Zusehern verlost. Innerhalb eines Jahres soll die vielversprechende E-Idee nun verwirklicht werden. (red)

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The Emillionaire Show
CHANNEL 4

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