Strache-Fotos: Kritik an Gusenbauer hält an

26. Jänner 2007, 17:26
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Weiterhin Aufregung um Bilder des FP-Chefs - Grüne sehen "erbärmliche Politik" der SPÖ - Strache: "Kein Kontakt mit Neonazis"

Wien - Bundeskanzler Alfred Gusenbauer ist nach seinen milden Worten zu den angeblichen Wehrsportübungen von FPÖ-Chef Heinz Christian Strache nun doch ein wenig deutlicher geworden. Er glaube, dass hier eine eindeutige Stellungnahme "dringend notwendig" wäre, sagte der SP-Chef gegenüber der "Wiener Zeitung" (Wochenendausgabe). Gusenbauer hatte am Mittwoch mit seiner Bemerkung für Aufsehen gesorgt, man solle Strache aus einer "Jugendtorheit" keinen Strick drehen.

Wirklich wichtig

Gusenbauer betonte gegenüber der "Wiener Zeitung" erneut, "wirklich wichtig" sei, wie Strache heute zu Demokratie und Nationalsozialismus stehe.

Weiterhin Kritik einstecken musste der Bundeskanzler am Freitag aus den Reihen seiner eigenen Partei: Die SP-Abgeordnete Sonja Ablinger meinte in einer Aussendung, als Geschichtslehrerin halte sie die "Verharmlosung der Strache-Affäre" durch Gusenbauer für "äußerst bedenklich". Bemühungen vieler Geschichtslehrer, der Jugend klarzumachen, dass Neonaziauftritte und Hakenkreuzschmierereien kein Spaß seien, würden damit konterkariert.

Klare Worte gefordert

"Klare Worte" des Bundeskanzlers forderte auch der stellvertretende Grüne Klubobmann Karl Öllinger. Er vermutet, dass die SPÖ dazu aber nicht bereit sei, weil man "die FPÖ und Herrn Strache" vielleicht noch einmal brauchen könnte, so Öllinger, der von einer "erbärmlichen Politik" sprach. Für Öllinger ist Strache jedenfalls rücktrittsreif: Er habe sich "nicht distanziert, nicht offengelegt" und sich auch "politisch nur wenig verändert", so Öllinger.

Für KPÖ-Bundessprecher Mirko Messner macht das Vorgehen Gusenbauers "einmal mehr" einen "nachhaltig gestörten Umgang" mit der eigenen Geschichte deutlich. Wie Öllinger vermutet auch er, dass sich die SPÖ die Freiheitlichen als eventuellen künftigen Koalitionspartner warm halten wollen - das sei der "wirkliche Skandal", so Messner.

Strache will Kanzler trreffen

FPÖ-Obmann Heinz Christian Strache will der Aufforderung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer nun nachkommen. Man werde eine klare und ausführliche Erklärung in der Causa "nicht schuldig bleiben", erklärte FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky am Freitag in einer Aussendung. Wann und in welcher Form diese stattfinden soll, sei noch nicht fixiert, sagte Vilimsky auf Nachfrage der APA.

Persönliche Aussprache

Bei Bedarf werde es danach auch eine persönliche Aussprache mit Gusenbauer geben, sagte er. Das Vorgehen des Kanzlers sowie "maßgeblicher SPÖ-Politiker" in der Affäre rund um Fotos, die Strache bei angeblichen Wehrsportübungen zeigen, bezeichnete Vilimsky als "ausgesprochen fair und objektiv". Gusenbauer war zuletzt SPÖ-intern scharf unter Beschuss gekommen, da er gemeint hatte, er wolle Strache aus "Jugendtorheiten keinen Strick" drehen.

Der FPÖ-Chef hat heute die Vorwürfe, er hätte Kontakt mit "Neonazis", als "absoluten Unsinn" zurückgewiesen. Er habe zu vielen Menschen Kontakte, frage die Bürger auf der Straße aber nicht nach einem Leumundszeugnis, so Strache am Freitag im Gespräch mit der APA. Über die Foto-Affäre hat er mittlerweile auch mit Bundespräsident Heinz Fischer gesprochen und ihm die Geschichte mit seinen bereits bekannten Argumenten erklärt.

"Begeisterter Demokrat"

Er sei ein "begeisterter Demokrat" und "freisinniger Mensch", so Strache. Nach der von vielen Seiten geforderten Distanzierung vom NS-Gedankengut gefragt, erklärte er, sich immer "klar distanziert" und die "NS-Verbrechen verurteilt" zu haben. Nähere Details über seine Unterredung mit Fischer wollte Strache nicht verraten. Es sei unter anderem auch um die Regierungsbildung gegangen.

Fischer hatte gestern alle drei Klubobmänner der Oppositionsparteien zu einem Vier-Augen-Gespräch empfangen. Von seinem Sprecher Bruno Aigner war darüber nichts zu erfahren. Strache lobte jedenfalls die Äquidistanz des Staatsoberhaupts zu allen Parteien.

Der FP-Chef kündigte an, demnächst an die Öffentlichkeit zu gehen. Kritik übte er am Vorgehen mancher Medien mit der Causa und sprach von einer "Hetzjagd, die bis in den familiären Bereich" ginge. Seine Familie und Menschen in seiner Umgebung würden "terrorisiert und gestalkt". Wenn etwa seine Ex-Frau mit 200 Anrufen bombardiert werde, würde auch die Erziehung der Kinder in Mitleidenschaft gezogen, beklagte Strache.(APA)

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