der schönste Tag der Woche: Kapaunstage

27. Jänner 2007, 00:00
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Was der kastrierte Zuchthahn mit Capone, dem berühmten Gangster, Geschäftsmann und Geldwäscher Alfonso "Scar-face" Capone gemein hat

Darf man jetzt in Österreich Kapaune züchten oder nicht? Im Landwirtschaftsministerium ist man sich da nicht ganz sicher: Während in der Tierzuchtabteilung die Meinung vertreten wird, dass eigentlich nichts dagegen spräche, glaubt man in der Tierschutzabteilung, dass die Kastration von Hähnen "unter Umständen" sehr wohl diversen Verordnungen widersprechen könnte.

Kein Wunder also, dass der Lieferant jener beiden Masthähne, die ich dieser Tage zubereitete, lieber anonym bleiben möchte. Und das, obwohl seine Hähne von einem Tierarzt vorschriftsmäßig "am Morgen und in nüchternem Zustand" kastriert werden. Wobei ich mir jetzt nicht ganz sicher bin, ob sich der Hinweis auf den "nüchternen Zustand" auf die Hähne oder den Arzt bezog.

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Ich gehöre nicht zu denen, die einmal pro Woche Kapaun essen, sondern bereite dieses Geflügel im Schnitt nur alle 17 Jahre zu. Wenn Sie also von mir auf einen Kapaun eingeladen werden möchten, sollten Sie sich die Zeit zwischen dem 25. und 27. Januar 2024 freihalten.

Warum? Weil es der Zufall will, dass ausgerechnet an diesen beiden Tagen – unabhängig vom Jahr natürlich – zwei bedeutende Kapaun-Persönlichkeiten ihren Sterbe- beziehungsweise Geburtstag haben: Der eine ist der berühmte Gangster, Geschäftsmann und Geldwäscher Alfonso "Scar-face" Capone, der andere der nicht minder berühmte Komponist Johannes Chrisostomus Wolfgangus Theophilus Mozart. Bei Al Capone, der am 25. Januar 1947 in seiner Villa auf Palm Island in Florida starb, liegen die Kapaun-Bezüge auf der Hand. Nicht nur dass Kapaun auf Italienisch "capone" heißt, sah Capone auf dem Höhepunkt seiner Macht Ende der 1920er-Jahre auch tatsächlich wie ein "capone" aus.

Bei einer Körpergröße von 179,1 Zentimetern brachte es der legendäre Gangsterboss immerhin auf 115,6 Kilogramm, was angeblich darauf zurückzuführen war, dass er "mountains of Pasta and Niagaras of Chianti" verschlang beziehungsweise in sich hineinschüttete. Das behauptete jedenfalls sein langjähriger Leibwächter "Slippery" Frankie Rio, und der musste es ja wissen.

Und was hat der Kapaun jetzt mit Mozart zu tun? Ganz einfach: Kapaun gehörte nachweislich zu den Lieblingsspeisen unseres Nationalheiligen, dessen Geburtstag sich am 27. Januar zum 251. Mal jährt. Il capone (nicht Al Capone) fand sich demnach nicht nur in Salzburg und Wien auf Mozarts Speisezettel, sondern auch in Frankreich und Italien.

So servierte ihm beispielsweise am 3. Januar 1771 in Mailand Marianne d’Asti von Asteburg nicht nur Fasan und Leberknödel mit Sauerkraut, sondern auch "einen herrlichen Capaun". Dass sich der 15-jährige Musikus dieses Menü schmecken ließ, wissen wir, ob er auch das folgende Sprichwort kannte, ist leider nicht überliefert: "Schon mancher ist als Hahn eingeschlafen und als Kapaun aufgewacht." (Kurt Palm/ ALBUM/ DER STANDARD, Printausgabe, 27./28.1.2007)

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    Kapaun - englisch auch: Capon

  • Kurt Palm
    foto: michaela mandel

    Kurt Palm

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