Novomatic: Offensiv mit Kasinos und Klagen

20. Februar 2007, 16:14
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Glücksspiel-Konzern wehrt sich gegen Manipulationsvorwürfe - Streit mit Kranzl beendet

Auf der größten Glücksspielmesse der Welt, der ICE (International Casino Exhibition) in London, hat der österreichische Novomatic-Konzern seit Jahren den mit Abstand größten Messestand. Die Firmengruppe mit Hauptsitz in Gumpoldskirchen kann auch Jahr für Jahr Umsatzrekorde vermelden - so auch für 2006: 1,3 Milliarden Euro an Erlösen aus dem Verkauf von Hightech-Slotmaschinen und elektronischen Roulettetischen sowie dem Betrieb von 480 Kasinos weltweit resultierten in einem Gewinn (EGT) von 200 Millionen Euro.

Franz Wohlfahrt, Vorstandschef des im Eigentum von Selfmademillionär Johann Graf stehenden Konzerns, musste zunächst vor allem Fragen wegen eines ORF-Berichts in der Sendung "Am Schauplatz" beantworten, in dem ein ehemaliger Spieler Novomatic unterstellte, Automaten zu manipulieren.

"Die Vorwürfe entbehren jeder Grundlage", sagte Wohlfahrt beim Pressegespräch, "wir könnten uns doch gar nicht leisten, auch nur den Anschein eines Minimalvergehens zu geben." Die Firma, die Automaten und auch die Vorstände selbst würden von diversen staatlichen Behörden aus aller Herren Länder, "unter anderem dem FBI", regelmäßig durchleuchtet und geprüft. Laut Wohlfahrt - er ist selbst gelernter Rechtsanwalt - "prüfen gerade mehrere Anwälte die Causa auf zivil- und strafrechtliche Relevanz"; Klagen stehen im Raum.

Vorwurf manipulierter Automaten

Im Beitrag wurde von ehemaligen Spielern die Behauptung aufgestellt, Novomatic manipuliere Automaten in Wien, sodass höhere Einsätze und Gewinne möglich sind, als sie das Gesetz erlaubt. Das "Kleine Glückspiel" ist in Wien, Steiermark, Kärnten und seit dem Vorjahr in Niederösterreich gesetzlich geregelt. Es gelten 50 Cent Maximaleinsatz pro Spiel, 20 Euro Maximalgewinn.

Im ORF kam ein Spieler zu Wort, der behauptete, ein den Einsatz bestimmender Knopfdruck sei noch kein Spiel an sich, der Gesamteinsatz würde einfach durch vielmaliges Drückens des Einsatzknopfes über das gesetzliche Limit gebracht und fördere so die Chance, binnen kurzer Zeit hoch zu verlieren. Wohlfahrt dazu: "Ein Spiel ist ein zivilrechtlicher Vertrag, und da gibt es keine Definitionsprobleme." Einer anonymen Anzeige gegen Novomatic bei der Staatsanwaltschaft sehe er "mit größter Gelassenheit entgegen", jede Untersuchung sei "begrüßenswert".

Streit mit Kranzl beendet

Im Streit mit der ehemaligen NÖ-Landesrätin und heutigen Staatssekretärin Christa Kranzl (SP) im Zuge der politisch heiß umfehdeten Einführung des "Kleinen Glücksspiels" hat Novomatic übrigens die Klagen (üble Nachrede, Kreditschädigung) zurückgezogen. "Es hat ein vertrauensbildendes Gespräch gegeben." Wohlfahrt hofft nach wie vor auf eine Liberalisierung des Glücksspielsektors (Kasinos und Lotterien) in Österreich, Novomatic stehe in Sachen Internet-Spielangeboten gemeinsam mit dem technischen Partner Telekom Austria "Gewehr bei Fuß".

International will die auf 7600 Mitarbeiter angewachsene Gruppe (1900 in Österreich) vor allem als Kasinobetreiber wachsen, etwa in Südamerika. (Leo Szemeliker aus London, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 26.1.2006)

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    foto: standard/fischer
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