In einem Vorort von München

2. März 2007, 13:53
10 Postings

Die Society in Kitz braucht das Rennen nur am Rande

Balthasar Hauser konnte darauf, was die FIS-Pistenkommission wenig später beschließen würde, keine Rücksicht nehmen: "Ein Ausfall des Rennens ist zwar undenkbar", erklärte der Besitzer des "Stanglwirt" in Going eine Woche vor dem Renntermin, "aber die Weißwurstparty findet natürlich auch statt, wenn das Rennen abgesagt wird: Wir sind schließlich fast ausverkauft."

1500 zahlende ViPs, die an Würsten zuzelnd Launiges in Kameras absondern und danach zu den anderen Promibegleitevents rund um kein Hahnenkammrennen hetzen, wären für Hauser allerdings "absolut kurios. Wir sind die Ergänzung, nicht der Ersatz."

Kurios - aber eben möglich. Und nicht das Bizarrste an der Society-Event-Seifenblase, die sich in den vergangenen Jahren rund um das Rennen entwickelt hat: "Der Rummel um die Prominenten ist ja in sich selbst widersinnig", analysiert Hauser, "nicht nur in Kitz, sondern weltweit: Die Leute wollen ihre Ruhe - und gehen deshalb bei solchen Veranstaltungen in eine Art Gegenoffensive." Aber statt "danke und bis zum nächsten Mal", kommt da von der Yellowpress nur ein "Mehr, Mehr". Hauser: "Eigentlich ist die Qualität von Kitzbühel ja, dass hier jeder seine Ruhe hat."

Eigentlich. Denn das Hahnenkammwochenende, seufzt Udo Schreiber, der Doyen der österreichischen Society-Fotografen, ist mittlerweile vor allem eines: "wahnsinnig anstrengend." Zum einen, weil die Zahl derer, die auch dabei sein wollen, immer größer wird. "Kitz ist traditionell, also zu Weihnachten und Silvester, ein Vorort von München und nur am Rand ein Bezirk von Wien." Aber das, so Schreiber, hat sich in den vergangenen Jahren geändert. Auch, weil die Zahl der Veranstaltungen ("an verschiedenen Orten und natürlich gleichzeitig") explodiert ist. Darüber hinaus führe die Professionalisierung der Eventinszenierung dazu, "dass es oft nur noch am roten Teppich vor dem Eingang oder ganz am Anfang kurz möglich ist zu arbeiten." Danach übernähmen, bestätigen auch andere langjährig kitzerfahrene Klatschreporter, die PR-Manager der Veranstalter immer mehr die Bild- und Sager-Regie.

Wirklich faszinierend an der Entwicklung der Kitz-Events sei aber auch ein anderes Faktum, betont Yellowpress-Bildveteran Schreiber: "Ich habe - mit Ausnahme von Bode Miller - in den letzten zehn Jahren keinen einzigen Rennfahrer mehr auf den Partys gesehen, nach der Ära Klammer/Grissmann hat das aufgehört." Einzig am Anfang der offiziellen "Race Party" am Samstag und zur Erfüllung von Sponsorverträgen kämen die Sportler, danach aber bleibt das geladene Promivolk wieder unter sich: Abgesehen vom Staunen beim Blick auf Vidiwalls und Hausberg (so er befahren wird) beim Rennen selbst findet das Treiben längst zwar ausgelöst durch, aber doch losgelöst vom Hahnenkammrennen statt. Auch wenn Stanglwirt Hauser sein "Kurios" im Konjunktiv verwendet. Noch. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 26. Jänner 2007, Thomas Rottenberg)

Share if you care.