Einer hat Stürmer-Potenzial

23. Februar 2007, 18:06
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"Starmania"-Erfinder Mischa Zickler im STANDARD-Interview über Halbwertszeiten von Nachwuchstalenten

STANDARD: Über Ebay werden bereits die vom ORF verlosten Gratiskarten fürs Finale (Freitag) am Küniglberg versteigert. So gesehen war "Starmania 3" ein Erfolg?

Zickler: Was den künstlerischen Output betrifft, kann man den Erfolg erst nach einigen Jahren ernsthaft beurteilen. Als TV-Event war "Starmania 3" sicher ein Erfolg.

STANDARD: Wie das? Die Quoten der ersten Ausgabe wurden nicht einmal ansatzweise erreicht.

Zickler: Man kann die Show nicht mit jener vor vier Jahren vergleichen.

STANDARD: Warum eigentlich nicht? Die "Millionenshow" läuft auch schon ein paar Jährchen, erreicht mitunter immer noch ein Millionenpublikum?

Zickler: Auch Starmania hatte vergangene Woche bis zu 1,1 Millionen Zuschauer. "Starmania" hat ein ganz konkret abgestecktes Zielpublikum, das sind Seher bis 50. Es geht nicht um die absoluten Zahlen, sondern darum, wie man die Zielgruppe erreicht. Da ist "Starmania" sehr erfolgreich.

STANDARD: Starruhm ist zumindest bei Castingshows vergänglich. Wie bemessen Sie die Halbwertszeit eines "Starmania"-Siegers?

Zickler: Logisch, dass es auch Leute gab, an die man sich nach vier Jahren nicht mehr erinnert. Aber es wird immer so lapidar gesagt: Aus Michi Tschuggnall ist ja nichts geworden. Der Vergleich mit Christina Stürmer ist ungerecht. Sowohl Tschuggnall als auch Verena Pötzl (Siegerin "Starmania 2", Anm.) hatten einen Nummer-Eins-Hit in diesem Land. Das darf man nicht einfach wegputzen.

STANDARD: Haben Sie einen Wunschkandidaten?

Zickler: Ich würde mir nie anmaßen, der zu sein, der weiß, was später am Plattenmarkt Erfolg haben wird. Auch, weil es mein Verhältnis zu den Kandidaten trüben würde.

STANDARD: Sehen Sie in einem der Verbliebenen Christina-Stürmer-Potenzial?

Zickler: Ja.

STANDARD: Sie sagen natürlich nicht, wer das sein könnte.

Zickler: Genau. Wobei: Es gibt tausend Wege, es zu vermasseln.

STANDARD: Welche Eigenschaften muss der künftige Popstar haben, um dauerhaft bestehen zu können?

Zickler: Zunächst muss man hervorragend singen können. Man muss den wirklichen Ehrgeiz zu so einer Karriere haben und gleichzeitig die Kraft, sie durchzustehen. Und dann gibt es natürlich auch etwas, das man Charisma nennt.

STANDARD: Sie haben den Blick?

Zickler: Das würde ich nicht behaupten. Aber es fällt doch auf, dass es Menschen gibt, die viele Leute ansprechen. Abgesehen davon: Ich entscheide nicht, wer ins Finale kommt, sondern die Zuschauer.

STANDARD: Sehen Sie Chancen auf "Starmania 4"?

Zickler: "Starmania" hat bewiesen, dass es in einer dritten Ausgabe gut und erfolgreich laufen kann. Alles weitere muss sich der ORF in Zukunft ansehen. Ich glaube nicht, dass man davon ausgehen muss, dass es nie wieder funktionieren könnte. (Doris Priesching/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2007)

Zur Person
Der frühere FM4-Programmchef Mischa Zickler (40) leitete die dritte Ausgabe der ORF-Castingshow. Der "Starmania"- und "Taxi Orange"-Erfinder entwickelt inzwischen Programme für RTL.
  • Mischa Zickler
    foto: orf/hans leitner

    Mischa Zickler

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