Studie: Zwei Drittel des Wachstums dank technischen Fortschritts

1. März 2007, 19:42
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Ohne technologischen Wandel wäre laut Wifo-Weißbuch das Wachstum der realen Wertschöpfung in Österreich deutlich geringer ausgefallen

Wien - Ohne technologischen Wandel im Sinne qualitativer Veränderungen der Produktion wäre das Wachstum der realen Wertschöpfung in Österreich von 1990 bis 2004 um knapp zwei Drittel geringer ausgefallen. Die reine Steigerung des Einsatzes bestehender Produktionsfaktoren hätte die österreichische Volkswirtschaft jährlich um nicht einmal 1 Prozent statt tatsächlich um 2,38 Prozent wachsen lassen, so das Ergebnis einer Teilstudie des Weißbuches des Wirtschaftsforschungsinstituts (Wifo).

"Technologische Veränderungen haben eine herausragende Bedeutung als treibende Kraft des Wachstums und damit des materiellen Wohlstands. Forschungs-, Innovations- und Technologiepolitik müssen daher tragende Säulen einer auf Wachstum und Beschäftigung orientierten Wirtschaftspolitik sein", so Wifo-Experte und Mitautor der Teilstudie, Michael Peneder am Donnerstag in einer Pressemitteilung.

Innovationsleistung

Von 1990 bis 2004 trugen demnach zum durchschnittlichen jährlichen realen Wirtschaftswachstum von 2,38 Prozent der Faktor Kapital mit 1,33 Prozentpunkten, die Arbeitsleistungen mit 0,46 Prozentpunkten und die "Multifaktorproduktivität" mit 0,85 Prozentpunkten bei. Reduziert wurde das Wachstum durch Reallokationseffekte um 0,26 Prozentpunkte.

"Der als Multifaktorproduktivität gemessene faktorungebundene technologische Wandel wird neben eigenen Innovationsleistungen vor allem auch durch Lerneffekte und die Übernahme neuer Technologien geprägt", heißt es. Als Beitrag technologischer Veränderungen in engeren Sinne war sie mit einem Anteil von rund 36 Prozent für mehr als ein Drittel des Wirtschaftswachstums maßgebend.

Berücksichtigt man zusätzlich die Qualitätseffekte aus der Verlagerung zu Gunsten höherwertiger Produktionsfaktoren als Ausprägung faktorgebundener technologischer Veränderungen, dann beträgt laut Studie der durchschnittliche jährliche Wachstumsbeitrag des technologischen Wandels im weiteren Sinne +1,49 Prozentpunkte. Das sind also knapp zwei Drittel des durchschnittlichen Wachstums von 2,38 Prozent.

Zusammenhang mit Beschäftigung

"Vor dem Hintergrund der bedeutenden Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Österreich seit Anfang der neunziger Jahre (Ostöffnung, EU-Beitritt, Währungsunion, usw.) zeigen die Ergebnisse sehr deutlich, dass weder der wachsende Standortwettbewerb im Zuge der Globalisierung noch der fortschreitende, in der Regel arbeitsparende technologische Fortschritt die Nachfrage nach Arbeitsleistung sinken ließ", so Peneder. Allerdings hätten die Beschäftigungsmöglichkeiten trotz der Zunahme des Arbeitskräfteangebotes und der Vielzahl neuer unternehmerischer Chancen nicht spürbar ausgeweitet werden können.

Die Studie beruht laut Wifo auf einer für Österreich gänzlich neuen Datenbasis, die im Rahmen der internationalen Forschungskooperation EU KLEMS erstellt wurden. (APA)

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    foto: standard/mercedes
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