Google-Domainklau: "In Österreich wäre das nicht passiert"

30. März 2007, 10:57
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Deutsche Registrierstelle Denic von Kritik unbeeindruckt

Auch am Tag 2, nachdem Google kurzfristig ohne deutsche Webseite dastand, steht die deutsche Registrierstelle Denic weiterhin unter Kritik. "Ein derartiger Vorfall wäre in der Art und Weise, wie er bei der Google-Domain abgelaufen ist, in Österreich nicht möglich", kommentiert Richard Wein, Geschäftsführer von der österreichischen Registrierstelle Nic.at, gegenüber pressetext den Vorfall. Als Schwachpunkt der deutschen Regelung gilt, dass bei einem beantragten Providerwechsel der rechtmäßige Domaininhaber nicht aktiv zustimmen muss. Einzig der bestehende Provider wird mit einem automatisiert verschickten E-Mail über den beantragten Wechsel verständigt. Wird auf das E-Mail nicht reagiert, gilt dies als Zustimmung zum Wechsel. Die Domain ist wie im Fall von Google dann futsch (pressetext berichtete: .

Sicher

"Das System an sich ist angesichts der Kontrollmechanismen sehr sicher. Bei 50.000 - 100.000 Providerwechsel pro Jahr ist ein Problemfall nicht unbedingt viel", weist Denic-Sprecher Klaus Herzig im Gespräch mit pressetext jegliche Kritik an der Registrierstelle zurück. Im besagten Fall hatte neben dem nicht getätigten Einspruch durch den Provider, der die google.de-Homepage betreut, auch die Überprüfung des Antragsstellers versagt. Dieser, eine Privatperson aus dem Raum um Frankfurt, hatte sich als rechtmäßiger Inhaber von google.de ausgegeben und den Providerwechsel über den Internet-Dienstleister Goneo beantragt. Die Denic-Regeln sehen vor, dass der in den Providerwechsel involvierte Dienstleister überprüfen muss, ob es sich beim antragsstellenden Domaininhaber um den rechtmäßigen Besitzer der Domain handelt. Dies ist im vorliegenden Fall aber offenbar unterblieben.

Vorwurf

Kopfschütteln löst der Vorfall vor allem auch deshalb aus, da mit eBay bereits einmal ein Webgigant Opfer nicht funktionierender Kontrollmechanismen beim Denic-System wurde, das System aber offensichtlich beibehalten wurde. "Den Vorwurf, dass mit dem System relativ leicht Missbrauch betrieben werden kann, muss sich die Denic angesichts dieser Vorfälle sicherlich gefallen lassen", unterstreicht auch Nic.at-Geschäftsführer Wein. "Das österreichische Registrier-System wird manchmal als zu bürokratisch kritisiert. Umso mehr kann ich heute sagen, dass ich auf die bei uns eingesetzten Prozesse stolz bin", so Wein. In Österreich müssen Domaininhaber aktiv zu einem Providerwechsel zustimmen. Wird ein Verständigungsmail nicht beantwortet, werden die Inhaber per Brief oder Fax kontaktiert. Eine passive Zustimmung zum Providerwechsel durch Nicht-Reagieren ist ausgeschlossen. Als Nachteil des Systems gilt, dass die Verwaltung aufwändiger und somit auch teurer ist.

Keine Sicherheit

Die absolute Sicherheit gibt es nirgends", kommentiert Denic-Sprecher Herzig die vorgebrachten Argumente und Kritikpunkte. Natürlich mache man sich ständig darüber Gedanken, wie das Providerwechsel-Verfahren weiter optimiert werden könne. Die Diskussionen darüber seien aber schon vor dem Vorfall in Gang gesetzt worden, so Herzig. Er verwies auf die über 250 Mitglieder der hinter der Denic stehenden Genossenschaft und die mehreren Mio. Domainkunden. Bei Verbesserungsvorschlägen müssten die Interessen größerer und kleinerer Provider sowie der Domaininhaber berücksichtigt werden, meint Herzig.(pte)

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