Babynahrung eventuell verantwortlich für Creutzfeldt-Jakob- Krankheit

18. Juli 2000, 10:12

Britisches Rindfleisch wieder am europäischen Markt

London - Babynahrung und Schulmahlzeiten mit BSE-infiziertem Rindfleisch könnten nach Ansicht eines Experten die Ursache für die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (nvCJD) in einem englischen Dorf sein. Der Direktor der britischen CJD-Überwachungseinheit in Edinburgh, Robert Will, sagte der Zeitung "Independent on Sunday", so könne möglicherweise das überwiegend jugendliche Alter der nvCJD-Opfer in dem Ort Queniborough in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire erklärt werden.

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit gilt als eine menschliche Form des Rinderwahnsinns BSE. Ende vergangener Woche war bekannt geworden, dass drei von vier Todesfällen in der mittelenglischen Grafschaft Leicestershire im Jahr 1998 mit dem Dorf in Verbindung zu bringen waren. Die Toten waren zwischen 19 bis 35 Jahre alt. Ein 25-jähriger Mann in Queniborough ist an nvCJD erkrankt.

Verarbeitung von Rückenmark

Der britische Experte weist darauf hin, dass in den achtziger Jahren Babynahrung überwiegend maschinell hergestellt wurde. Dabei seien möglicherweise auch Teile des Rückgrats von Kühen in die Nahrungsmittelkette gelangt, von denen man jetzt weiß, dass sie vom BSE-Erreger befallen werden. "Eine Erklärung für das überwiegend junge Alter der Opfer könnte sein, dass junge Leute öfter verarbeitetes Fleisch gegessen haben", sagte Will. Es sei höchstwahrscheinlich, dass derart verarbeitete Zutaten auch in Schulmahlzeiten, wie Würsteln, Beefburger und Pasteten, enthalten waren.

Im Rahmen der Untersuchungen der Fälle in Queniborough sollen nach einem Bericht der "Times" (Samstagausgabe) alle Schlachthöfe in der Umgebung auf ihre Praktiken hin untersucht werden. Auch sei geplant, alle noch verfügbaren Mandeln und Blinddärme zu untersuchen, die seit 1985 in Leicestershire von Patienten operativ entfernt wurden. Dabei könne es sich um mehr als 10.000 Organe handeln. Die Untersuchungen könnten möglicherweise Aufschluss über das Ausmaß der Infektionen mit nvCJD in Großbritannien geben.

Britisches Rindfleisch wieder am europäischen Markt

Unabhängig von den Entwicklungen in Leicestershire teilte das Landwirtschaftsministerium in London mit, dass ab Samstag wieder britisches Kalbfleisch in EU-Länder exportiert werde. Die Ausfuhren nach Belgien und Italien seien die ersten seit der Aufhebung des EU-Einfuhrverbots für britisches Rindfleisch im August 1999, teilte Agrar-Staatssekretärin Joyce Quin mit.

In ganz Großbritannien wurden seit 1996 nach offiziellen Angaben 75 eindeutig nachgewiesene oder höchstwahrscheinliche Erkrankungen an der neuen Variante von nvCJD registriert. Die Zahl der Todesfälle wird mit 67 angegeben.
(APA/dpa)

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