Redford & Newman alias "Butch Cassidy und Sundance Kid"

25. Jänner 2007, 23:13
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Kleine Gauner mit den überaus bürgerlichen Namen Robert Leroy Parker und Harry Longbaugh

Man soll die Dinge nicht höher als nötig hängen, aber bei diesem heitersten aller heiteren Western wird man das Gefühl nicht los, als hätte sich Drehbuchautor William Goldman zumindest für den Schluss von Rainer Maria Rilke beraten lassen. Mit dessen leicht somnambulen Cornet Christoph Rilke geht es bekanntlich so aus, dass er sich mitten in die Feinde wirft und die Säbel, die nun auf ihn zuspringen, Strahl um Strahl, ein wahres Fest sind, eine "lachende Wasserkunst".

Butch Cassidy und Sundance Kid sind zwar keine Fähnriche, sondern nur kleine Gauner mit den überaus bürgerlichen Namen Robert Leroy Parker und Harry Longbaugh, aber wenn sie am Ende in dem bolivianischen Nest San Vicente aus der Deckung ins Feuer einer ganzen Armee springen, dann hat das auch etwas von einer lachenden Wasserkunst, mag es gleich staubtrocken sein auf der Plaza, wo sich ihr Schicksal vollzieht.

Banalität des Gangstertod

Die Regie will es, dass sie im Sprung erstarren und ihr Bild wie eine Apotheose stehen bleibt. Auf diese Weise entgehen sie der Banalität des Gangstertodes, und für einen kurzen Augenblick wünscht man sich, man hätte ebenfalls schießen gelernt und wäre Bankräuber geworden. Das bisschen Spanisch, "Esto es un robo" und so, hätte man zur Not auch noch hingekriegt.

Der Film räumte 1970 vier Oscars ab, darunter einen für Burt Bacharachs famosen Song "Raindrops keep fallin' on my head", zu dessen Klängen Butch Cassidy (Paul Newman) und Etta Place (Katharine Ross) ihre akrobatisch-amouröse Fahrradfahrt absolvieren, während Ettas wirklicher Liebhaber Sundance Kid (Robert Redford) sich im Haus erst aus den Kissen rappelt. Wie die Filmhistorie vermerkt, waren für Redfords Rolle zunächst Marlon Brando beziehungsweise Warren Beatty vorgesehen, doch es kam dann, wie es kam, und das Duo Newman/Redford gefiel derart, dass George Roy Hill die beiden vier Jahre später für eine weitere Gaunerkomödie, den "Clou", engagierte und damit abermals einen Welterfolg errang. Wobei es mit der Heiterkeit dieses Filmes ja eine seltsame Bewandtnis hat.

"Freischütz"

Der zweite Zugüberfall beschert den Helden eine Prüfung, die sie allmählich immer kleinlauter werden lässt. Hinter ihnen ist ein Trupp hoch qualifizierter Spürnasen her, der umso bedrohlicher wirkt, als er nie richtig zu sehen ist. "Doch mich umgarnen finst're Mächte", wie Sundance Max im ansonsten ganz anders strukturierten "Freischütz" so überaus treffend singt. Die Schlinge zieht sich enger und enger, und auch die schöne Etta verlässt das vordem so fidele Trio, weil sie ihre beiden Freunde nicht sterben sehen will.

Je finsterer aber die Wolken aufziehen, desto lockerer schreitet das Verhängnis einher. Hill entfesselt ein förmliches Endzeit-Ballett, in dem die bolivianischen Sicherheitskräfte, die mit ebenso groteskem martialischem Gehabe angreifen wie sie Fersengeld geben, nicht den schlechtesten Part haben - selten ist das hohle Machotum berittener Einheiten brillanter verhöhnt worden. Schade, dass unsere Helden durch solche Trotteln enden müssen. (Hermann Unterstöger/DER STANDARD, Printausgabe, 26.1.2007)

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