Kochen im Fernsehen

25. Jänner 2007, 17:00
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So schlecht kann es gar nicht sein, dass man sich nicht was abschauen könnte. Oder: Wer hat schon Spaß anderen bei der Hausarbeit zu zusehen

+++ Pro
Von Samo Kobenter

Natürlich geht es einem auf den frischgebackenen Keks, wenn Jamie Oliver in der nebenher laufenden Glotze mit wilden Kadenzbewegungen das Belegen eines Sandwiches dirigiert, als hätte er soeben Tournedos Rossini neu erfunden. Oder wenn Tim Mälzer eine Currywurst belispelt oder Sarah Wieners keckerndes Lachen die Küchenchefs, denen sie programmatisch über die Schulter und in die Töpfe schauen soll, ein gutes Stück tiefer in den Alkoholismus treibt.

Kochsendungen sind im besten Fall outriert und meistens entsetzliche Schmiere, aber trotzdem kann ich darüber kaum hinwegsehen, und das hat einen einfachen Grund, vor dem jeder Amateur das Besteck streckt: Handwerk. So schlecht - und klar ist jeder der öffentlichen Einkocher technisch perfekt - kann das Setting gar nicht sein, dass man sich nicht an- und abschauen könnte, wie eine(r) schneidet, schwenkt, anrichtet, karamellisiert, reduziert, anheizt und abkühlt. Oder wo sonst, außer in seiner Küche, können Sie sehen, wie Ferran Adrià ein Eisdessert aus Whisky sour und Passionsfrucht anlegt?

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Contra ---
Von Christoph Winder

Es gibt ein paar Formate, die im TV wirklich funktionieren (Starmania, Big Brother, Teleshop). Kochsendungen funktionieren nicht, aus dreierlei Gründen: Wer hat, erstens, schon Spaß dabei, anderen Leuten bei der Hausarbeit zuzusehen? Zweitens neigen Fernsehkoch und Fernsehköchin in der Regel dazu, ihre Verrichtungen mit nur schwer erträglicher Eitelkeit zu absolvieren. Das Pfauenrad schlagende Imponiergehabe, mit dem die Damen und Herren ihre Zwiebeln hacken, Soßen binden und Eier schälen, ist abstoßend und verdirbt den Appetit.

Drittens sind die dramaturgischen Gestaltungsmöglichkeiten so beschränkt, dass sich trotz der Vielzahl der gekochten Speisen beim Zuseher unweigerlich ein Eindruck bleierner Langeweile einstellt. Das ewige Augenverdrehen und Löffelabschlecken, die selbstgefälligen wechselseitigen Versicherungen, wie exquisit man wieder gekocht habe und wie köstlich dies alles munde, sollte jeden Menschen mit intakten Geschmacksnerven weniger zum Essen motivieren als zu dessen Gegenteil. (Der Standard/rondo/26/1/2007)

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    foto: yun
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