Der Lohn des Einzelkämpfers: "Das Streben nach Glück"

26. Jänner 2007, 13:25
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Eine Aufstiegssaga mit Will Smith aktualisiert einen US-Nationalmythos

Wien - Ein Anzugträger entsteigt vor einem Bürogebäude seinem roten Sportwagen. Das ist ein Bild des Glücks. Zumindest für unseren Helden (Will Smith), der mit dem Verkauf von portablen Knochendichtemessgeräten eher schlecht über die Runden kommt. Er holt umgehend Erkundigungen ein, und siehe da: Die notwendigen Grundlagen für dieses Glück lassen sich als Börsenmakler schaffen. Der Sportwagenfahrer ist geradezu eine Epiphanie, die das Leben des Helden verändern wird.

Geld oder Liebe

Geld macht nämlich glücklich, Frauen machen Ärger: So wird Chris Gardners Vorhaben, seine Anfang der 1980er ums wirtschaftliche Überleben kämpfende Kleinfamilie ein für alle Mal abzusichern, nicht zuletzt durch die Haltung seiner Ehefrau Linda (Thandie Newton) erschwert. Er plant, ein halbjähriges unbezahltes Praktikum zu absolvieren, an dessen Ende eine mögliche Anstellung als Börsenmakler winkt. Aus Lindas Sicht ist das nur ein weiteres zum Scheitern verurteiltes Hirngespinst ihres Mannes.

Sie verlässt ihn. Bald ist Chris auch bei der Versorgung des fünfjährigen Sohnes auf sich allein gestellt. Seinen Plan verfolgt er nun umso beharrlicher - während ihm die Aufnahme ins Praktikantenprogramm gelingt und er gegenüber seinen Vorgesetzten strategisch klug agiert (oder improvisiert), jagt privat eine Katastrophe die nächste. Sodass sich Vater und Sohn schließlich buchstäblich auf den Straßen von San Francisco wiederfinden.

"Das Streben nach Glück", der sich nicht nur in den USA als Kassenerfolg erweist, aktualisiert einen US-Nationalmythos: den Traum von unbegrenzten Aufstiegsmöglichkeiten. Er kann sich dabei noch dazu auf ein reales Vorbild beziehen (der echte Gardner ist inzwischen Multimillionär). Und sich auf die amerikanische Unabhängigkeitserklärung berufen, in der das "unveräußerliche Recht" auf ein "Streben nach Glückseligkeit" festgeschrieben ist.

Nebenbei unternimmt der Film, den der Italiener Gabriele Muccino inszeniert hat, die Heroisierung des männlichen Alleinerziehers, der auch noch durch letzte Auffangnetze zu rutschen droht, weil eine lokale Notwohnstelle nur an Mütter Plätze vergibt. Dass die Reagan-Regierung Obdachlosigkeit zu dieser Zeit noch nicht als ein nationales Problem anerkennen wollte (entsprechende Hilfsprogramme wurden auf Bundesebene erst ab 1986 gesetzlich verankert), erfährt man im Film nicht. Vielmehr weiß er sich im Einklang mit einer Ideologie, die die Verantwortung lieber an den Einzelnen delegiert.

So wird Chris zwar inmitten obdachloser Leidensgefährten gezeigt, zugleich aber auch immer schon aus dieser Masse herausgehoben: Wahre Glückssucher machen sich mit solchen Pechvögeln nicht gemein. (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2007)

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    foto: sony
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