Sven Teske: Haben "Zeitfenster von zehn Jahren"

25. Jänner 2007, 11:30
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Für eine Klimawende dränge die Zeit, betont der Koautor der Greenpeace-Studie im STANDARD-Interview - die Atomkraft werde man dazu aber nicht brauchen

STANDARD: Herr Teske, die Erderwärmung wird nicht erst seit gestern diskutiert. Woher das große Interesse an der neuen Greenpeace-Studie?

Teske: Weil es sich meines Wissens um die erste Studie handelt, die ein globales Konzept für CO2-Reduktion vorstellt. Außerdem ist der Zeitpunkt richtig: Die Menschen haben gemerkt, dass sich das Klima verändert, sie suchen nach Auswegen.

STANDARD: Wen wollen Sie primär überzeugen? Spender? Politiker? Die Wirtschaft?

Teske: Uns geht es vor allem um die wissenschaftliche Community und um die Investoren. Im OECD-Raum läuft derzeit der Lebenszyklus vieler Kraftwerke aus, es werden neue Investitionsentscheidungen getroffen. Aber auch in Ländern mit rasanter Wirtschaftsentwicklung wie China gilt: Was heute beschlossen wird, bestimmt den CO2-Ausstoß in 50 Jahren.

STANDARD: Wie rasch müssen erste Entscheidungen getroffen werden, um die energiepolitische Wende, die Sie vorschlagen, zu schaffen?

Teske: Wir haben ein Zeitfenster von rund zehn Jahren, dann müssen die erneuerbaren Energieträger wettbewerbsfähig sein. Das erfordert hohe Investitionen.

STANDARD: Wie hoch schätzen Sie die Chancen für Ihren Plan ein?

Teske: Als ziemlich gut, immerhin ist es ja auch ein Weg aus der Abhängigkeit von fossilen Energien mit ihren dunklen Seiten.

STANDARD: Greenpeace will die Wende ohne Atomkraft, obwohl diese kein CO2 ausstößt. Ist das realistisch?

Teske: Atomkraft liefert sechs Prozent des Weltenergiebedarfs, aber sie verschlingt 99 Prozent der Diskussionszeit. Sie ist teuer, gefährlich und von hohen staatlichen Subventionen abhängig. So etwas können wir uns in Zukunft nicht mehr leisten. (Irene Brickner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 25.1.2007)

Zur Person:
Sven Teske (40) ist Diplomingenieur mit Spezialisierung auf erneuerbare Energien. Der Deutsche arbeitet seit 13 Jahren für Greenpeace, seit drei Jahren für deren internationale Organisation.
  • Artikelbild
    foto: putzenhardt/greenpeace
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