Porträt: Langjährige Frauenchefin Csörgits wird nicht Vizepräsidentin

20. März 2007, 12:11
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Der bittere Tag der Renate Csörgits

Wien - Das Undenkbare ist geschehen. ÖGB-Frauenchefin Renate Csörgits (52) ist mit ihrer Kandidatur als Vizepräsidentin am ÖGB-Bundeskongress gescheitert - und das, obwohl ihre Fraktion der sozialdemokratischen Gewerkschafter über eine satte absolute Mehrheit verfügt. Dass dieses gewerkschaftshistorische Schicksal gerade Csörgits getroffen hat, ist freilich kein Zufall.

Post-Gagen-Affäre

Schon seit Jahren gilt Csörgits bei vielen Gewerkschaftern als Schwachstelle. Ihr schlechtes Image stammt nicht zuletzt aus der Post-Gagen-Affäre, als sie den urlaubenden Präsidenten Fritz Verzetnitsch nach außen zu vertreten hatte. Das Krisenmanagement war generell unglücklich, wurde aber zum Desaster, als sich Csörgits bei der Frage nach ihrem Monatsgehalt um satte 17.000 Schilling verschätzte und sich später damit verteidigte, es habe sich nur um eine "in etwa"-Angabe gehandelt.

Einkommen

Auch heute weiß Csörgits ihr Gehalt nicht auf die Zahl genau. Beim Kandidaten-Hearing am Dienstag konnte sie nur angeben, über den neuen Einkommensgrenze zu liegen. Später lieferte sie die Bezüge wenigstens schriftlich nach.

Ebenfalls problematisch für Csörgits war, dass sie als echte Vertraute des Alt-Präsidenten Verzetnitsch galt. Einige Wochen nach Aufbrechen des BAWAG-Skandals erklärte sie noch öffentlich, sie hätte wohl genauso reagiert wie der Ex-ÖGB-Chef. Somit war Csörgits nicht unbedingt als Signal der Erneuerung gesehen worden.

Männlicher Unmut über Frauenquote?

Eine Rolle bei ihrer Ablehnung am Kongress dürfte auch ein allgemeiner Unmut männlicher Gewerkschafter über die vereinbarte Frauenquote in den Gremien sein. Bei so manchem Buffet-Geplauder war darüber während der letzten drei Tage kräftig gemurrt worden.

Langweilig wird der Wienerin auch nach ihrer Nicht-Wahl ins Präsidium kaum werden. Frauenchefin im ÖGB bleibt sie, zusätzlich übt sie im SPÖ-Klub im Nationalrat das Amt der Sozialsprecherin aus.

Ihre gewerkschaftliche Karriere hatte die am 23. Noveber 1954 geborene Csörgits bei den Privatangestellten begonnen, auch wenn manche das heute ganz gerne vergessen würden. Die gescheiterte Vizepräsidentin leitete dort 19 Jahre die Frauenabteilung, ehe sie 1999 in die ÖGB-Zentrale wechselte und dort Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin wurde. Seit 2002 sitzt Csörgits im Nationalrat, neuerdings auch als stellvertretende Klubchefin. (APA)

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    Renate Csörgits

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