Neue HPV-Impfung

26. Juli 2007, 13:07
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Frauengesundheits­zentrum rät zur Besonnenheit - "Kein Grund für übereilte Impfungen" - Kein Ersatz für PAP-Abstrich

Graz - In Österreich ist seit kurzem ein Impfstoff gegen Humane Papilloma Viren (HPV), die mit der Entstehung des Gebärmutterhalskrebs und Genitalwarzen in Verbindung gebracht werden, erhältlich. Das Grazer Frauengesundheitszentrum rät Frauen dazu, eine Impfung nicht zu überstürzen: "Es besteht kein Grund für übereilte Impfungen", so dessen Geschäftsführerin Sylvia Groth.

Hoffnung prüfen

Mit der Impfung gegen Humane Papilloma Viren (HPV) - und damit der Möglichkeit, dem Gebärmutterhalskrebs vorzubeugen - werde viel Hoffnung geschürt, so Groth. "Die Hoffnung ist nachvollziehbar. Sie ist aber auf sachlicher und fachlicher Basis zu prüfen", meint die Medizinsoziologin.

Die Vakzine sei erst kurz auf dem Markt, Langzeituntersuchungen würden fehlen: "Die bisherigen vier Studien, auf denen die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelbehörde (EMEA) beruht, beziehen sich auf 20.541 Frauen in einem Zeitraum von maximal vier Jahren", betonte Groth. Das ist allerdings bei neuen Impfungen immer der Fall. Laut den klinischen Studien hat die HPV-Immunisierung kaum Nebenwirkungen. Man erwartet eine wesentlich längere Wirkung.

Impfstoff wirkt nicht bei allen Viren

Was heute allerdings schon bekannt sei: "Insgesamt wirkt der Impfstoff nur bei 70 Prozent der Viren, die Gebärmutterhalskrebs verursachen, bei 30 Prozent dieser Viren wirkt er nicht". Die Vakzine besitzt allerdings einen praktisch hundertprozentigen Schutzeffekt vor Infektionen mit jenen vier Virusstämmen, deren Antigene in ihr enthalten sind. Sie wirkt auch gegen Genitalwarzen. Da Langzeitstudien noch fehlen würden, sei auch nicht bekannt, wie lange der Impfstoff überhaupt wirkt und ob eine Auffrischung erforderlich wird, gibt Groth allerdings zu bedenken.

Forderung nach Dokumentation und Kontrolle

Als "äußerst problematisch" beurteilt Groth den Umstand, dass die EMEA die künftige Überwachung der Wirkungen des Impfstoffes inklusive der Nebenwirkungen der Herstellerfirma anheim gestellt hat. "Es müsste sichergestellt werden, dass die Auswirkungen aller Impfungen bei allen Frauen systematisch dokumentiert und kontrolliert werden" wünscht sie sich.

Kostenfrage

Groth befürwortet, dass die österreichischen Krankenkassen vorerst zurückhaltend agieren, was die Kostenübernahme der HPV-Impfung anbelangt: "Die Sozialversicherung sollte im Interesse der Patientinnen diese Impfung nur bezahlen, wenn der Nutzen gesichert ist." An sich zahlt die österreichische Sozialversicherung kaum Impfungen, bei manchen gibt es allerdings eine Kostenbeteiligung. Fachleute fordern die HPV-Immunisierung vor allem für Mädchen vor den ersten Sexualkontakten. Deshalb wird eine Übernahme in das kostenlose österreichische Gratis-Impfprogramm für Kinder überlegt, an dem auch die Sozialversicherungen beteiligt sind.

Kein Ersatz für Abstrich

"In keinem Fall" sei eine Impfung ein Ersatz für regelmäßige PAP-Abstiche, mit denen bisher schon die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs praktiziert wurde. Allerdings, kritisiert Groth, weise die Abnahme und die Beurteilung des PAP Abstriches in Österreich "erhebliche Qualitätsmängel" auf. Vor allem seien die Fähigkeiten der Gynäkologen, die Abstriche zu entnehmen, zu verbessern, die Laborqualität zu erhöhen sowie Frauen mit verdächtigen oder unklaren Befunden gezielt zu begleiten.

Laut Statistik Austria sind im Jahr 2004 164 Frauen an Gebärmutterhalskrebs gestorben. Bei 550 Frauen wurde 2006 erstmals Gebärmutterhalskrebs festgestellt. (APA)

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