Liedertausch im Cyberspace

26. Juli 2000, 15:05

Mit Napster gewinnt man Zugang zu Musiksammlungen in aller Welt

Auch wenn Napster meist nur als reines Musiktauschprogramm abgetan wird, handelt es sich dabei in Wirklichkeit um eine geniale Netzwerklösung. Die Lieder, die man sich mit dieser Technik im so genannten MP3-Format aus dem Internet laden kann, liegen nämlich nicht auf einem zentralen Server, sondern befinden sich auf den Festplatten der einzelnen Benutzer. Jeder Computeranwender, der in der Napster-Community mitspielen will, installiert ein kleines Programm auf seinem Rechner, in dem er festlegt, welche Unterverzeichnisse auf seiner Festplatte für Zugriffe von außen freigegeben werden sollen.

Wenn er sich dann ins Internet einwählt und die Verbindung zum Napster-Server aufbaut, wird nur das Inhaltsverzeichnis dieser freigegebenen Bereiche an die Firma Napster übermittelt und dort in eine Datenbank eingetragen. Sucht ein Benutzer nun über Napster nach irgendeinem bestimmten Lied oder einem Interpreten, schaut sein PC in dieser Datenbank nach, ob unter all den Usern, die gerade mit Napster verbunden sind, einer oder mehrere das gesuchte Stück auf seiner Festplatte hat. Der Benutzer kann dann aus einer Liste auswählen, vom Rechner welchen anderen Users er die Datei auf seinen eigenen PC kopieren will. Informationen über Übertragungsgeschwindigkeit, Art des Internetanschlusses auf der Gegenseite etc. helfen dem versierteren Anwender bei der Auswahl.

Ist die Verbindung hergestellt, beginnt der Datentransfer, der - je nach Länge und Qualität des Songs und je nach Leitungsqualität - zwischen fünf Minuten und einer Stunde dauern kann. Je länger es dauert, desto größer ist allerdings das Risiko, dass der Benutzer des anderen Rechners seinen PC abschaltet, während der Download-Vorgang noch im Gange ist. In diesem Fall hilft nichts anderes, als nochmals von vorne zu beginnen.

Dies kann auf Dauer freilich ganz schön ins Geld gehen, oder bei festen Leitungsgebühren zumindest sehr lästig sein, weshalb sich die meisten User, wenn sie ein oder zwei Lieder eines Interpreten geladen und für gut empfunden haben, dann doch lieber im Geschäft die Original-CD kaufen.

Der einzelne User bleibt während des ganzen Tauschhandels via Napster übrigens anonym, das heißt, in den Suchlisten scheint nur ein selbstgewählter Spitzname auf. Dennoch sollte dies potenzielle Raubkopierer nicht in allzu große Sicherheit wiegen - das Unternehmen Napster selbst kann nämlich sehr wohl zu jedem User die entsprechende IP-Adresse ausfindig machen und im Falle eines Missbrauchs für weitere Zugänge sperren. Dies passierte, wie DER STANDARD berichtet hat, vor einigen Monaten beispielsweise allen Napster-Usern, die Titel der klagefreudigen Heavy-Metal-Band Metallica auf ihren Festplatten freigegeben hatten. (Uwe Fischer-Wickenburg)

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