Das Geld liegt in Seen oder am Meeresboden

16. Juli 2000, 20:44

Das Geschäft der US-Firma Oceaneering ist alles andere als alltäglich. Aber es bringt Geld.


STANDARD-Mitarbeiter Nikolaus Dolenz

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Oceaneering: Geschäft mit dem Abenteuer
Entstanden ist die Firma Oceaneering International, die an der New York Stock Exchange (NYSE) gelistet ist, 1969 aus der Fusion von zwei Taucherfirmen.

Sie finden nicht nur die Bierkapseln im Toplitzsee, während die gesuchten Akte offenbar ganz trocken in einem Keller in der Wiener Wollzeile gelagert waren. Flops sind in ihrem Geschäft nie ganz auszuschließen. Die täglichen, aber nicht alltäglichen Jobs der hochqualifizierten Techniker der US-Firma Oceaneering (notiert unter OII an der New Yorker Börse) liegen jedenfalls im Extremen: Sie kontrollieren und schweißen Pipelines am Meeresboden, heben das älteste U-Boot der Welt und flicken Glasfaser-Kommunikationskabel, die den satellitenunabhängigen Datenstrom zwischen den Kontinenten sichern sollen. Das bringt Geld. Zuletzt zwar wenig, doch hoffentlich bald schon wieder mehr.

Größere Tiefen

Mit ausschlaggebend dafür könnte das Vordringen der Ölexploration in Meerestiefen sein, die bisher als unökonomisch galten. Während man bis vor einigen Jahren aus Kostengründen die Förderung auf Tiefen bis zu 500 Meter unter dem Meeresspiegel beschränkte, haben der Anstieg des Ölpreises, die Erschöpfung der küstennahen Fördergebiete und neu entwickelte Technologien auch Bohrungen in wesentlich größeren Tiefen interessant gemacht.

Zur Kontrolle und Steuerung derartiger Bohrungen hat Oceaneering Spezialvehikel wie das Unterwasserfahrzeug "Millennium" entwickelt. Das drei Meter lange, 1,5 Meter breite und 1,7 Meter hohe Ding operiert in großen Meerestiefen (über 3000 Meter), liefert Bilder und kann diverse Werkzeuge, Pumpen und Schweißgeräte handhaben.

Die Krise in der Öl-Exploration in Verbindung mit dem niedrigen Erdölpreis, die der gesamten Branche in den letzten beiden Jahren schwer zu schaffen machte, ging auch an Oceaneering nicht spurlos vorüber. Der Gewinn pro Aktie, der von 1995 bis 1999 kontinuierlich von 23 Cents auf 1,12 Dollar gestiegen war, brach im Geschäftsjahr bis Ende März 2000 auf 0,73 Dollar ein. Ähnliches passierte mit dem Aktienkurs, der sich von 23 auf zwölf Dollar fast halbierte, sich allerdings in den letzten Monaten wieder erholte. Denn der Auftragsstand der Spezialfirma hat sich per Ende März gegenüber 1999 von 256 auf 448 Mio. Dollar erhöht.

Im Vergleich dazu: Jahresumsatz 417 Mio. Dollar, davon rund 50 Prozent in den USA, 20 Prozent in Europa. Damit sind auch die Gewinnaussichten für das laufende Jahr wesentlich besser. Analysten schätzen 0,92 Dollar für das laufende und 1,45 für das nächste Geschäftsjahr. Allerdings, das Juni-Quartal 2000, dessen Ergebnis am 7. August bekannt gegeben wird, dürfte nochmals einen negativen Vergleich bringen. Man erwartet einen Gewinn von nur 13 Cents pro Aktie gegenüber 22 Cents im Vergleichsquartal des Vorjahres.

Möglicherweise die Chance, sich an einer Firma zu beteiligen, die reales, großes Abenteuer mit modernster Technik verbindet - und hoffentlich dabei verdient.

Zuletzt zwar enttäuschend wenig, allerdings hoffen Aktionäre und Analysten schon in naher Zukunft wieder auf mehr.
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