Eine Ausfahrt mit dem Mountainbike unter Berücksichtigung diverser Hoppalas - (Es ließ sich leider nicht vermeiden)
Die schlechte Nachricht: Es war ein Bild des Jammers. Die gute: Immerhin waren
Walter und ich völlig unverletzt geblieben.
Was bis dahin geschah: Weil der Winter eher keiner sein will, müssen wir bisher
nicht aufs Langlaufen als Ersatzdroge umsteigen, sondern wir sitzen noch immer
im Sattel der Mountainbikes. Diesmal wollten wir im Wienerwald nachschauen,
wie jene Wege jetzt aussehen, die vor einem Jahr nur per Rodel zu bezwingen
waren.
Leises Zischen
Wir erklommen den Anninger, steuerten am Sender vorbei talwärts, gewannen
den Richardshof und zielten auf Mödling, als diese schmalen Serpentinen vor uns
lagen. Ich ließ Walter vorausfahren (er ist bergab nicht ganz so feig wie ich), und
während er entschwand, kam dieses unheilvolle Zischen von meinem
Vorderreifen.
Da gleichzeitig auch das Rad vorne immer niedriger wurde, diagnostizierte ich
sachkundig einen plötzlich aufgetretenen Patschen, entließ ein paar zierliche
Flüche in die laue Winterluft, schob das Rad beiseite und setzte zum
Reifenwechsel an, nachdem ich den Mantel unter dem Gatsch, mit dem er bedeckt
war, gefunden hatte.
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Während dieser Arbeit war ein Schuss zu hören, "aha", dachte ich, "da ist noch ein
Jäger auf der Suche nach dem Sonntagsbraten", dann dachte ich eher daran, dass
Walter jetzt gewiss am Fuß des Berges auf mich wartet und denkt, ich wäre
übertrieben feig beim Bergabfahren und deshalb noch nicht da.
Streifenweise
Als der Ersatzschlauch montiert war, stand Walter plötzlich wieder vor mir,
allerdings ohne Rad. Er mumelte dann nur, dass er bis zur Panne immerhin ein
paar hundert Meter weiter gekommen wäre als ich, versprach weiters einen
Anblick, wie ich ihn noch nie gesehen hätte, und tatsächlich: Was vorhin noch
seine Felge gewesen war, hing jetzt in Streifen herum.
Der Luftdruck des Reifens hatte die vom Bremsen abgeschliffene Felgenflanke
(zum Glück im Stillstand, nach der letzten Serpentine!) gesprengt, der Knall
vorhin war also nicht vom Waidmann gekommen, sondern quasi aus dem
Freundeskreis, an Weiterfahren war nicht zu denken.
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Während wir so dastanden und sahen, was wir noch nie vorher gesehen hatten,
fühlte sich mein Vorderrad schon wieder so weich an, und es sah auch wieder
irgendwie platt aus. Immerhin war das Loch diesmal kleiner (nein, ich hatte
keinen Dorn im Mantel vergessen, und am ersten Platten war ein plötzlich und
unerwartet ausgerissener Ventilschaft schuld), mit Aufpumpen unterwegs würde
ich aber trotzdem nicht heimhumpeln können.
Also standen wir mit zwei fahrunfähigen Gäulen im Wald, selbstverständlich ohne
Handy. Mit hätten wir zwar meine Freundin mit Auto herbeiholen können (Walters
Freundin nicht, sie fährt nicht Auto), allerdings wäre es uns auch ein bisserl
dekadent vorgekommen, einfach um Hilfe zu rufen.
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Also montierten wir Walters prall aufgepumptes Vorderrad in meinen Gaul. Ich
fuhr heim und holte das Auto, während er in einem Mödlinger Kaffeehaus warten
würde.
Nicht genug, dass vor dem Kaffeehaus ein Rad mit zwei platten Reifen und einer
gesprengten Felge stand und sehr traurig aussah, ES WURDE AUCH NOCH VON
EINEM HUND ANGEPINKELT. Natürlich nicht irgendwo, sondern präzise an Ventil
und Schnellspanner MEINES VORDERRADES, und erstmals an diesem Tag wurde
mein innerer Zeisig doch etwas unruhig.
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Was ich damit nur sagen will: Auch Felgenflanken sind Verschleißgegenstände.
Gelegentliche Kontrolle, ob sie bereits bedenklich abgeraspelt sind, können
lebensrettend sein. (Immerhin war auch Walter noch kurz vorher recht flott den
Maurer Berg runtergefahren, und bis heute will niemand daran denken, was
passiert wäre, wenn ...)
Wölbt sich die Flanke am oberen Rand bereits nach außen, dann ist der Tausch
überfällig. Moderne Felgen tragen meistens Verschleißindikatoren, und zwar mit
Recht. Und wenn der mitgeführte Ersatzschlauch dicht ist, ist das natürlich auch
kein Nachteil. (Text und Fotos: Dietrich P. Dahl, derStandard.at, 23.1.2007)