Zwang zu billigeren Auslandstarifen

14. Februar 2007, 12:59
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Nach der EU-Kommission hat sich nun auch das Parlament für eine drastische Senkung der bei Auslandsgesprächen anfallen­den Roaming- Gebühren ausgesprochen - Mit Kommentar

Schon bald soll es bei allen Handynetzbetreibern in der EU einen "Eurotarif" geben, mit dem grenzüberschreitende Telefonate innerhalb der Union maximal 50 Cent pro Minute kosten. Ankommende Gespräche dürften dann höchstens 25 Cent kosten.

Das sehen die Pläne des EU-Parlaments vor, sagte der für Roaming zuständige Abgeordnete, Paul Rübig von der ÖVP. Wie die Kommission kritisiert auch die Volksvertretung die hohen Unterschiede von Inlands- und Auslandsgesprächen. "Ich kann in Österreich um wenige Cent hunderte Kilometer weit telefonieren. Aber wenn ich von Salzburg wenige Kilometer über die deutsche Grenze jemanden anrufe, kostet das gleich mehrere Euro", sagte Rübig.

20-mal mehr

Untersuchungen der EU-Kommission zufolge übersteigen die verrechneten Gebühren die tatsächlichen Kosten bei Auslandsgesprächen oft über das 20fache, weshalb die Brüsseler Behörde einschreiten will.

Das EU-Parlament schlägt vor, dass EU-weit das "Inlandspreisprinzip" eingeführt werden soll: Zumindest einmal im Jahr soll ermittelt werden, was die tatsächlichen Kosten für die Handynetzbetreiber bei der "Zusammenschaltung" sind - also wenn ein Kunde von Betreiber A einen Teilnehmer von Betreiber B anruft. Prinzipiell sind dabei die Kosten bei grenzüberschreitenden Telefonaten nicht höher als im Inland, argumentiert Rübig.

EU-Gesprächsminute

Aus dem Durchschnitt der 27 Mitgliedsländer soll dann ein Großhandelspreis für eine "EU-Gesprächsminute" ermittelt werden. Die Betreiber könnten dann die Großhandelspreise mit 2,5 oder 3 multiplizieren, um zu den Endverbraucherpreisen zu gelangen, in denen sie noch ihre Aufwendungen für Marketing Netzerhalt und ähnliches unterbringen müssten.

Anders als die Kommission will das Parlament nur einen Tarif gesetzlich regeln, der Rest der Angebote bleibe "im freien Wettbewerb", so Rübig. Der komplizierte Eingriff in den freien Markt wird damit begründet, dass es "trotz aller Bemühungen noch immer keinerlei Wettbewerb" im Roaming-Bereich gebe.

Das Parlament regt darüber hinaus die Schaffung einer Gesprächsminuten-Börse für die Handynetzbetreiber an. Dies wäre eine transparente Möglichkeit, einen Markt und Wettbewerb zu schaffen. Bei einer funktionierenden Börse könnte die Regulierung des Marktes wieder aufgehoben werden, meint Rübig.

Noch nicht einbezogen in die geplante Regelung sind SMS und Datendienste etwa für den Abruf von Mails oder mobiles Surfen im Internet. Der Abruf von Daten kann im Ausland um bis zu 100 Mal teurer sein als im Inland: Ein Megabyte kostet in Österreich je nach Angebot ab 15 Cent, im Ausland bis zu 15 Euro.

Die meisten Handynetzbetreiber wehren sich verbissen gegen diese Pläne, sind die Roaminggebühren doch ihre ertragreichste Einnahmequelle: Die Gesamteinnahmen betragen mit 8,5 Mrd. Euro pro Jahr zwar nur 5,7 Prozent des Gesamtumsatzes von 150 Mrd., doch tragen diese 5,7 Prozent Umsatz je nach Betreiber 25 bis 50 Prozent zum Gesamtgewinn bei. (Michael Moravec, Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 24.1.2007)

Kommentar

Der EU sei Dank

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