Palla im Interview: Finanzminister erinnern, Werbesteuer abzuschaffen

4. April 2007, 12:16
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Max Palla zum neuen Österreich-Präsident der International Advertising Association gewählt - Die Kreativwirtschaft sieht er "unter Druck"

STANDARD: Die IAA setzt sich seit Jahrzehnten für die Abschaffung der Werbeabgabe ein. Das steht nun nicht einmal als Ziel im Koalitionsübereinkommen, obwohl rote wie schwarze Politiker ihre Abschaffung versprochen haben.

Palla: In Österreich warnt man nicht zu unrecht vor Provisorien, weil die einen sehr langen Bestand haben können. Als solches wurde nämlich die Werbesteuer vor 80 (!!) Jahren eingeführt. Dieses weltweite Unikat bremst die Werbewirtschaft schon so lange, dass es quietscht. Schade, dass noch niemand in der Regierung die große Chance sieht, der Wirtschaft durch die Abschaffung dieser Bremse einen zusätzlichen Wachstumsimpuls zu geben.

STANDARD: Was haben Sie als neuer IAA-Präsident in Sachen Werbesteuer vor?

Palla: Wir werden den jetzigen Finanzminister höflich daran erinnern, dass er als Klubobmann und Mediensprecher im Juni 2006 in einem "Horizont"-Interview meinte, "die Werbesteuer ist ein Anachronismus, sie muss abgeschafft werden". Nunmehr in der Regierung kompetenzmäßig damit befasst, steht einer Umsetzung nichts mehr im Wege – Read my lips oder?

STANDARD: Weitere Pläne als Sprecher eines Verbands von Entscheidungsträgern in Werbung, werbetreibender Wirtschaft und Medien?

Palla: Dafür sorgen, dass der liberale Zustand der Werbewirtschaft in Österreich erhalten bleibt, d.h. ein größtmögliches Maß an Werbefreiheit bei gleichzeitig verantwortungsbewusster Selbstkontrolle. Nur so kann die Medienvielfalt nachhaltig gesichert werden. Die Funktion der IAA als Kompetenzplattform soll weiter ausgebaut werden. Wir wollen auch den Blick nach außen richten, denn der zentral- und osteuropäische Raum gilt bei vielen Unternehmen bereits als Heimmarkt. Außerdem werden wir uns tatkräftig um den Nachwuchs kümmern.

STANDARD: Was erwarten Sie vom Werbejahr 2007? Weitere Zusammenschlüsse, Übernahmen? Und in Sachen Werbekonjunktur?

Palla: Alle Prognosen zeigen ein positives Bild, ich rechne damit, dass wir ein Wachstum zwischen 5 und 7 % erreichen. Für den Marketingstandort Österreich muss aber noch mehr getan werden: Die Kreativwirtschaft kommt zwischen den Polen internationale Kampagnen einerseits und Kostendruck vom Osten andererseits unter Druck.

STANDARD: Sie haben sich aus der BBDO-Gruppe zurückgezogen und sind nun als Berater tätig? Haben Sie den operativen Abschied aus der Werbebranche schon bereut?

Palla: Nein, non je ne regrette rien, um mit Edith Piaf zu antworten. Jede meiner beruflichen Stationen hatte etwas ganz besonderes. Stand bei meiner Agenturtätigkeit die kreative Umsetzung im Vordergrund, arbeite ich heute als strategischer Berater und Networker eher im Hintergrund.

STANDARD: Wie beurteilt der Gumpolskirchner Nebenerwerbswinzer Max Palla den Weinjahrgang 2006?

Palla: Ein ganz spezieller Jahrgang: viele Temperatur- und Klimaschwankungen, ungewöhnliche Niederschlagsphänomene. Wer mit diesen Bedingungen gut umgehen konnte, der hat einen Super Tropfen 2006 im Keller: hohe Mineralität, exzellente Frucht und Komplexität bei gleichzeitiger Süffigkeit. In unserem Weingut Schellmann freuen wir uns heuer besonders auf die Cuvee "In Gumpoldskirchen": erste Verkostungen des 2006ers machen eindeutig Lust auf mehr. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 24.1.2007)

ZUR PERSON

Max Palla (51), der neue IAA-Präsident, ist selbständiger Unternehmensberater, seit er sich 2004 von seinen Anteilen an der BBDO Group sowie an der von ihm mitbegründeten und 2001 mehrheitlich an BBDO verkauften Agentur PKP proximity (wirbt für Cosmos, ÖBB, Strabag) trennte und aus den Funktionen dort zurückzog.

ZUR IAA

Die International Advertising Association (IAA) vereint Führungskräfte aus werbetreibender Wirtschaft, Werbung, Medien. Engagiert sich etwa gegen Werbeverbote, prämiert die effizientesten Kampagnen und fördert Weiterbildung.

Link: www.iaaat.org

Das Interview führte Harald Fidler
  • Max Palla

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