Schlafmützen sind schlauer

29. Jänner 2007, 20:10
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Wie das Gedächtnis funktioniert und warum man so manches vergisst - Fest steht: Schlafen macht schlauer

"Was kann man dagegen tun, dass man bei einer Prüfung auf einmal nichts mehr weiß, obwohl man genug gelernt hat?", wollte die neunjährige Helene in der letzten Kinderuni im Ö1-Radio von der Kulturwissenschafterin und Gedächtnisexpertin Aleida Assmann wissen. Lernpausen, viel Sauerstoff – und genügend Schlaf, _lautete die Antwort. der _Standard geht der Frage, warum Schlafmützen schlauer sind, weiter nach.

Die Wissenschaft hat lange darüber gestritten, welchen Sinn es haben könnte, dass der Mensch ein Drittel seines Lebens mit Schlafen verbringt. Heute steht fest: Wir brauchen den Schlaf, um Gelerntes dauerhaft im Gedächtnis zu speichern. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Schüler, die kurz vor dem Schlafengehen büffelten, sich am nächsten Tag an mehr erinnern konnten als andere, die morgens lernten und keine Gelegenheit hatten zu schlafen.

Zwischenspeicher

Der Grund dafür ist, dass sämtliche Eindrücke, Erlebnisse und Informationen, zum Beispiel der gelernte Prüfungsstoff, erst einmal zwischengespeichert werden. Damit wir nicht alles wieder vergessen, müssen die Erinnerungen ins Langzeitgedächtnis überspielt werden, wo sie dann dauerhaft abgespeichert werden. Das passiert vorwiegend während des Schlummerns, weil dann die Übertragung ungestört und ohne neu eingehende Sinneseindrücke ablaufen kann, vermuten Wissenschafter. Doch auch beim Träumen kann man viel lernen: Forscher sehen im Träumen ein Mittel des Gehirns, Erlebnisse der vergangenen Tage zu ordnen und daraus zu lernen. Das „Schlaflernen“ ist mittlerweile eine weit verbreitete Methode, um eine Sprache zu lernen. Man wirft sich einfach mit Kopfhörern in den Ohren in die Federn, um sich im Schlaf Vokabel zuflüstern zu lassen. Das Lernen im munteren Zustand soll dann viel schneller gehen – was unter Wissenschaftern allerdings umstritten ist.

Die Wissenschaft hat auch andere Lerntipps parat: So kann Kaugummikauen dem Gedächtnis auf die Sprünge helfen, weil dadurch mehr Sauerstoff ins Gehirn gelangt. Auch dass ein voller Bauch nicht gern studiert, wurde in Tests erwiesen. Trotzdem: Auf Erdbeeren braucht man nicht zu verzichten. Die Frucht enthält eine Substanz, die das Langzeitgedächtnis verbessert – allerdings nur, wenn man fünf Kilogramm täglich isst. (Karin Krichmayr/DER STANDARD-Printausgabe, 23.01.2007)

Thema der nächsten Ö1-Kinderuni: "Was ist der kleinste Baustein eines Lebewesens?" -

Kommenden Sonntag, 17.10 Uhr, auf Ö1 (http://oe1.orf.at) und nächsten Dienstag im STANDARD
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    Lernen im Schlaf: Ein geruhsamer Schlummer, ist notwendig, um das Gelernte dauerhaft im Gehirn zu speichern.

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