Im Alter von 76 Jahren - Er galt als erbittertster Gegner von Herausgeber Hans Dichand im Streit um die "Kronen Zeitung"
Erich Schumann, seit 1976 Geschäftsführer und Gesellschafter des zweitgrößten deutschen Zeitungsverlags WAZ, starb am Sonntag nach kurzem, schwerem Leiden. Der 76-Jährige galt als erbittertster Gegner von Herausgeber Hans Dichand im Streit um die Kronen Zeitung, an der WAZ und Dichand je 50 Prozent halten.
Anfang Dezember konnte Schumann wegen einer schweren Operation des Verdauungstraktes nicht an der jüngsten Verhandlung des Schweizer Schiedsgericht im Krone-Clinch teilnehmen. Aber noch vorige Woche dementierte WAZ-Mitgeschäftsführer Bodo Hombach, Schumann ziehe sich aus dem operativen Geschäft zurück. Der 76-Jährige erlitt offenbar einen Rückfall nach der Operation.
Nicht allzu harmonisch gehen auch die WAZ-Eigner miteinander um. Zwei Firmen von Erben halten je 50 Prozent an der WAZ Mediengruppe mit Sitz in Essen:
Die Brost-Holding gehört zu 60 Prozent Erich Brosts Witwe Anneliese; 40 Prozent hielt Schumann als Brosts Adoptivsohn. Hombach zählt zu dieser eher sozialdemokratischen Gruppe. Er führt die WAZ-Geschäfte vorerst alleine. Die Funke-Familien-Gesellschaft gehört drei weiteren, eher bürgerlichen Gruppen von Erben. Eine, Petra Grotkamp, klagte die übrigen Eigentümer, weil sie gegen ihr Votum 409 Millionen Euro aus dem Verkauf des WAZ-Anteils an RTL auszahlen ließen. Petra Grotkamp fordert einstimmige Entscheidungen der Eigner. Morgen, Mittwoch, verhandelt das Oberlandesgericht in Hamm in Nordrhein-Westfalen die Causa. Schiedsgericht könnte heuer entscheiden
Einig waren die WAZ-Gesellschafter freilich in ihrem Standpunkt zur Krone: Der Essener Medienkonzern drängt auf gleiche Rechte wie Dichand beim Kleinformat. Günther Grotkamp (80), lange Jahre Geschäftsführer, stellte sich demonstrativ hinter Schumann und gegen Dichand, der den Clinch als persönliche Fehde darstellte. Über Konsequenzen von Schumanns Tod für den Streit um die Krone wollte sich Montag vorerst niemand in Essen offiziell äußern. An der Linie, auf die sich die Gesellschafter laut Insidern gemeinsam festgelegt haben, dürfte sich wenig ändern. Das Schiedsgericht könnte heuer entscheiden.
Gegen Dichand
Die WAZ versucht Hans Dichand seit Jahren als Hauptgeschäftsführer abzusetzen. Der Job bietet ihm weit reichende Entscheidungsbefugnisse und mehr als 700.000 Euro "Vorabgewinn" pro Monat.
Hans Dichand wird am 29. Jänner 86. Er hat nach Kurt Falk ("Ganze Woche") einen weiteren, langjährig verfeindeten, deutlich jüngeren Mitgesellschafter überlebt. Schumann hatte Dichand 2003 in einer "ZiB 2" an dessen "Endlichkeit" erinnert. Dichand damals: "Ich bin endlich - ist er nicht endlich, muss ich da fragen?" (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 23.1.2007)