Was der Osteriaführer verschweigt

24. Jänner 2007, 16:55
8 Postings

Italienische Reise in Echtzeit, Tag 8: Harald Fidler kniet vor Sardellen in Orangensauce

Ein paar wunderbare Wirtshäuser haben wir ja schon hinter uns gebracht, über die der Osteriaführer schweigt. Jedenfalls die Ausgabe 2006/2007. Unverständlich, unverzeihlich. Man denke nur an Leber und Pasta mit Lammragu bei Gianni in Bologna an Tag 4.

Noch ein Stück größer klafft die Lücke freilich ein Stück über Manarola. Groppo fehlt im Osteriaführer, genauer: das Cappun magru in Groppo. Eine Schande.

Das Lokal hat natürlich, das muss man zugeben, ganz gute Startbedingungen: November in den Cinque Terre, da haben nicht gerade viele Wirte offen, die im Osteriaführer stehen. Das Cappun magru übrigens auch nicht, laut (sehr empfehlenswertem) Cinque-Terre-Führer (auch von Slowfood, auch von Hallwag) Betriebsurlaub. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich rufe sie alle durch. Cappun magru ganz zum Schluss, meine Ausgabe dieses Führers ist ja schon ein bisschen älter. Eine Nacht Knurrmagen an der ligurischen Küste vor Augen und Ohren. Aber: Sie verköstigen heute. Und wie, stellt sich nach einer kleinen Nachtfahrt durch einen wilden Wolkenbruch heraus.

Ein Lokal wie ein Fischsalat

Den Namen lieh sich das Lokal von einem genuesischen Fisch-Gemüsesalat, für den Maurizio Bordoni hier Meeresfrüchte und Seemannsbrot, Salat, Muscheln und eine Auster schichtet und mehr als fein mariniert. Die Sardellen aus Monterosso in Orangensauce, einfach niederknien.

Bordonis deutsche Frau Christiane Utsch empfiehlt einen Cuvee Villa Linda (Vermentino und Albarola, sagt die Seite) von Pietra del Focolare mit 13 Volumsprozent für 13 Euro, insofern leicht zu merken, und fein. Die Weinkarte übrigens recht üppig, die Flaschen gibt es (-15 Prozent) auch über die Gasse.

"Köstliche Fischpampe"

"Köstliche Fischpampe" steht im Logbuch etwas despektierlich über Ciuppin, die ligurische Fischsuppe im Tontopf. Meeresgetier kleingekocht ergibt die Pampe, in der feste Stücke aus denselben Gefilden planschen. Die Safrannudeln mit Rotbarben und als i-Tüpfelchen gerösteten Zwiebeln schmecken etwas überraschend, aber nicht grundfalsch zart nach Minze, sehr fein und leicht.

Die Entenbrust mit Bohnen, Rotkraut und nicht zu aufdringlicher Honigsauce fällt einen Hauch ab, ist etwas zu durch. Missen mag ich sie trotzdem nicht. Und das nicht nur, weil auf der streckenweise recht ambitionierten Wanderroute zwischen Monterosso und Manarola nur ein klitzekleiner Imbiss in Vernazza abfiel.

Überdenke Süßwein

Zum Käse - sechs formidable Stückchen, deren Namen ich gerne auf Anfrage nachliefere - noch der erste Sciacchetrà, von Luciano Capellini aus Volastra. Dachte bisher immer, Süßwein ist nicht so meine Sache. Bin dabei, das zu überdenken.

Osteriaführer, übernehmen Sie!

Italienische Speise Das Ziel: Piemont. Der Weg: Mit Bedacht und nicht zu schnell durch das nördliche Italien essen. Zwei Wochen lang. Das Ergebnis täglich in Schmeck's unterwegs. Warnhinweis: Dass ich die eine oder andere Speise fehlerhaft ab- und/oder aufgeschrieben habe, kann ich jetzt schon garantieren. Für Korrekturen und Anregungen stets dankbar. Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Hier läuten und freuen

Cappun magru in casa di Marin
Localita Groppo
Via Volastra 19
Über Manarola
0039 0187 92 05 63
Zu zweit mit den Weinen 96 Euro
    fid

    Hier läuten und freuen

    Cappun magru in casa di Marin
    Localita Groppo
    Via Volastra 19
    Über Manarola
    0039 0187 92 05 63
    Zu zweit mit den Weinen 96 Euro

Share if you care.