Neue Vorwürfe gegen "liberalen" Imam

22. Jänner 2007, 10:08
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Seine Predigt sei missverstanden worden - Adnan Ibrahim betont im STANDARD-Gespräch erneut seine "Absage an Gewalt und Terror"

Der als liberal geltende Wiener Imam Adnan Ibrahim sieht sich erneut mit "Hasspredigt"-Vorwürfen konfrontiert. Laut einem Magazinbericht soll er zum "Heiligen Krieg" im Irak und gegen Israel aufgerufen haben - im Standard-Gespräch widerspricht er heftig.

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Wien - Das Problem liege "wohl auch in der Rhetorik meiner Predigten", die "missverstanden" werden könne, sagt Imam Adnan Ibrahim: Zwei Wochen, nachdem Unbekannte ihn als "Hassprediger" bezeichnet und Anzeige wegen Verhetzung und gefährlicher Drohung erhoben haben, erneuern im "profil" veröffentlichte Übersetzungen aus einer im März 2006 in der Wiener Schura-Moschee gehaltenen Predigt zum Thema Djihad (heiliger Krieg), Irak und Israel die Vorwürfe.

"Wollt ihr als Zuschauer warten, was im Irak und in Israel geschieht? Wollt ihr warten, bis das Erdbeben auch euch trifft? Das geschieht, wenn ihr nicht genügend unterstützt, materiell und ideell, vor allem die Märtyrer", wird Adnan da etwa zitiert. Adressat dieser Worte seien nicht direkt die Zuhörer in der Moschee, sondern "die arabischen Regierungen und Bevölkerungen" gewesen, sagt der Imam. In diese habe er sich sozusagen hineinversetzt: "Doch ich werde meinen Predigt-Stil jetzt überdenken."

Aus dem Zusammenhang gerissen wiederum seien Zitate wie: "Nein! Wir sind keine Terroristen. Wir sind Widerstandskämpfer und haben das Recht, auch im Sinn der internationalen Rechtsbestimmungen, gegen die amerikanische und israelische Besatzung den Djihad auszurufen. Lasst uns als Märtyrer sterben!" - "Was fehlt, ist, dass ich in dieser Predigt gleichzeitig jeden Angriff auf zivile, unbewaffnete Ziele verurteilt habe".

"Absage an Terror"

In einer schriftlichen Stellungnahme wiederholt Adnan seine "Absage an Gewalt und Terror" - so wie er sie "in Predigten und Stellungnahmen" nach 9/11, den Attentaten in Madrid und London sowie nach dem Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh erteilt habe. Er betont, er sei "verwundert", dass seine "klare Position gegen Diktaturen und totalitäre Regime in der arabischen und islamischen Welt" gegen ihn verwendet werde.

Zur Lage im Irak und in Israel nimmt Adnan schriftlich nicht direkt Stellung, seine Predigt habe sich an "die unter Besatzung lebende Bevölkerung" gewendet, heißt es nur. Im Standard-Gespräch betont der aus dem Gazastreifen stammende 41-jährige Arzt und Geistliche, dass er das Existenzrecht Israels nicht infrage stelle. Israel sei "Realität", für "Friedenschancen" seien unter anderem "ein Rückzug der israelischen Truppen auf die Grenzen von 1967 und Diskussionen über das Rückkehrrecht der 1948 vertriebenen Palästinenser" Voraussetzung.

Bei der Staatsanwaltschaft Wien laufen gegen Imam Adnan derzeit Vorerhebungen. Als einzige politische Stimme meldete sich am Wochenende die FPÖ Wien zu Wort: Der Imam müsse "sofort in Verwahrungshaft genommen" werden. (Irene Brickner, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2007)

  • Will seinen Predigt-Stil "überdenken", um weitere "Missverständnisse" zu verhindern: Imam Adnan Ibrahim.
    foto: corn

    Will seinen Predigt-Stil "überdenken", um weitere "Missverständnisse" zu verhindern: Imam Adnan Ibrahim.

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