Starke Nerven für Lateinamerika

19. März 2007, 15:20
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Anleger, die in Latein­amerika oder Asien investieren, blicken mit Sorge auf diese Region. Die Ankündigung von massiven Verstaat­lichungen versetzt Investoren in Unruhe

Rio de Janeiro/Wien - Auf dem Mercosur-Gipfel an diesem Wochenende wurde heftig diskutiert: Die Ankündigung von Venezuelas Staatspräsident Hugo Chávez nach seinem Wahlsieg im Dezember, die Stromgesellschaften, Ölprojekte und das größte Telekommunikationsunternehmen des Landes, CANTV, zu verstaatlichen, ist auch unter seinen Amtskollegen umstritten.

Während Boliviens Präsident Evo Morales am Rande des Gipfels ankündigte, dass nach dem Öl- und Gassektor nun auch der Bergbau unter die Kontrolle des Staates gestellt wurde, rückte ein anderer Mitstreiter von Chávez von diesem Kurs ab: Ecuadors neuer Präsident Rafael Correa will keinen Verstaatlichungskurs fahren, sondern rief ausländische Investoren auf, weiter in seinem Staat zu investieren. Es wird erwartet, dass sich Nicaraguas neuer Präsident Daniel Ortega aber auch dem Kurs von Chávez anschließt.

Die Entwicklungen in Lateinamerika haben auch die Investoren nicht kalt gelassen. Der Jahreswechsel war für Emerging-Markets-Investoren heftig: Die Aktienkurse an den Schwellenländerbörsen verzeichneten in den vergangenen Wochen die längste Talfahrt seit Mai 2006. Der Leitindex in Venezuela brach um bis zu 19 Prozentpunkte ein.

Diese Kursentwicklungen haben unter Anlegern und Beobachtern die Frage aufgeworfen, ob es nun generell nach unten geht. Denn Fondsanleger konnten in den vergangenen drei Jahren Zuwächse bis zu 190 Prozent erzielen.

"Die Situation in Venezuela war bereits in den Kursen eingepreist", erklärt Paul Severin, Aktienchef von Pioneer Investments Austria im Gespräch mit dem Standard. Für Anleger, die über Fonds in diesen Märkten investiert sind, stelle die kurzfristige Korrektur daher kein Fluchtszenario dar.

"Bei der Korrektur im Vorjahr haben viele Anleger verkauft", sagt Monika Rosen, Bereichsleiterin des BA-CA-Asset-Managements. Aber nicht weil die Story der Emerging Markets nicht mehr passe, sondern weil die Anleger risikoavers geworden sind. Rosen: "In so einer Situation wird querbeet verkauft und nicht mehr darauf geachtet, welche Märkte gerade schwächeln." Die Gesamtstory der Schwellenländer inklusive der lateinamerikanischen passe jedoch nach wie vor.

Viele Fondsmanager verzichten ohnehin auf venezolanische Aktien, Papiere aus Mexiko und Brasilien, wo in den vergangenen Jahren stabile wirtschaftspolitische Verhältnisse herrschten, stehen dagegen hoch im Kurs. Die beiden größten Volkswirtschaften Lateinamerikas werden auch heuer mit bis zu fünf Prozent wachsen, was zwar einen kleinen Rückgang im Vergleich zu 2006 bedeutet, aber immer noch besser als die Wachstumsprognosen für die meisten EU-Länder ist. Für Venezuela wird weiter ebenso ein robustes Wachstum vorausgesagt.

Auch in Asien gibt es Turbulenzen. Um Währungsspekulationen gegen die thailändische Währung Baht zu stoppen, wollte die Bank von Thailand verfügen, dass ausländische Investoren 30 Prozent der Investitionssumme bei der Bank von Thailand hinterlegen müssen. Dieses Geld sollte erst nach einem Jahr abgezogen werden dürfen. Daraufhin setzte an der Börse eine rasante Talfahrt ein. Der Handel wurde ob des drastischen Kursrutsches vorübergehend ausgesetzt. Dieses Zeichen des Kapitalmarktes hat zwar dazu geführt, dass die neuen Regeln für Auslandsinvestoren rasch wieder aufgehoben wurden.

Verabschiedet hat die thailändische Regierung jedoch ein Gesetz, das die Kontrolle ausländischer Investoren in Jointventures einschränkt. Für solche Ereignisse brauchen Anleger starke Nerven. (Alexandra Föderl-Schmid, Bettina Pfluger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22.1.2007)

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    Venezuelas Staatschef Hugo Chávez (Mitte) schwört seine Kollegen aus Bolivien und Nicaragua, Evo Morales (ganz links) und Daniel Ortega (Zweiter von links) sowie dessen Frau auf seinen Kurs der Verstaatlichung ein.

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