Kärntner Verlag veröffentlicht Genozid-Leugner

26. Jänner 2007, 12:12
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Yusuf Halacoglu spricht in seinem Buch von einer "Umsiedlung" von teilen der armenischen Bevölkerung - "Pflicht, weiterzugeben, was Dokumente belegen"

Wien - Der wegen seiner Verdienste um die mittel- und südosteuropäische Literatur renommierte Wieser Verlag in Kärnten bringt diese Woche unter dem Titel "Die Armenierfrage" eine Studie des umstrittenen türkischen Historikers Yusuf Halacoglu auf den Markt. Halacoglu, der Direktor der Türkischen Historischen Gesellschaft (TTK) in Ankara ist, leugnet das Ereignis des Völkermords an den Armeniern 1915 und spricht stattdessen von einer "Umsiedlung" von Teilen der armenischen Bevölkerung im damaligen Osmanischen Reich.

"Ich fühle mich weder schuldig noch leugne ich etwas", erklärte Halacoglu im Gespräch mit dem STANDARD. "Diese Übersiedlung ist eine historische Tatsache. Wir können uns nicht wegen eines Ereignisses, das vor 90 Jahren stattfand, schuldig fühlen. Ich bin Historiker, meine Pflicht ist, weiterzugeben, was Dokumente belegen." Halacoglu äußerte sich am Freitag betroffen über die Ermordung des Armeniers Hrant Dink, den er einen "Freund" nannte, und sprach von einem provokativen Akt.

Sein nun auf Deutsch erscheinendes Buch (19,80 Euro) stammt aus dem Jahr 2001. Nach einem Vortrag in Winterthur eröffnete die Schweizer Justiz ein Strafverfahren wegen Leugnung des Völkermords gegen ihn. Der Verleger Lojze Wieser will nach eigenem Bekunden mit Halacoglus Buch eine Diskussion anstoßen, die helfen soll, dass Türken und Armenier aufeinander zugehen. Für den Herbst kündigte Wieser die Veröffentlichung bisher auf Deutsch unzugänglicher armenischer Dokumente an. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe 22.1.2007)

  • "Weder schuldig noch Leugner": Historiker Yusuf Halacoglu.
    foto: urban

    "Weder schuldig noch Leugner": Historiker Yusuf Halacoglu.

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