Ruhe aus dem Quarzwerk

31. Jänner 2007, 12:47
posten

Der Quarzitkubus der Schweizer Therme Vals schlägt still im Takt der Zeit

Zehn Jahre nach ihrer Eröffnung vermittelt die Therme von Vals den Eindruck, als sei sie schon immer Teil des Graubündner Tals gewesen. Sie erscheint kompakt aus dem Felsen herausgemeißelt und fügt sich perfekt in die Landschaft ein. Nur zwei Jahre nach der Eröffnung wurde der polarisierende Bau bereits unter Denkmalschutz gestellt.

Das Innere ist dunkel. Nur seitlich fällt ein wenig Licht durch ein steinernes Tor. Das Herz der Therme von Vals schlägt: Es tönt blechern, vibriert, klingt nach und hallt wieder - in einem Rhythmus, der niemals still zu stehen scheint. Die Laute gleichen denen in einem Kloster im tibetanischen Hochland.

Wer ihnen lauscht, gerät leicht in einen Schwebezustand. Der Körper wird müde, matt, die Klänge dominieren. Nichts kann sie aufhalten, die blechernen Vibrationen. Ewig werden sie wiederholt und beruhigen. Ergebenheit, vielleicht sogar Demut sind die Folgen. Die Klänge beherrschen den Körper, machen ihn zu ihrem Sklaven, entmündigen ihn kurzfristig.

Die Klanginstallation des Baseler Komponisten Fritz Hauser, die nur mit Instrumenten aus Stein erzeugt worden ist, schafft das, was sonst mühevoll in Entspannungsübungen gelernt werden muss: das völlige Loslassen.

Wenn man es dann doch schafft, sich von der Liege des Meditationsraumes in den Thermenräumen von Vals zu lösen, ist es das Wasser gleich nebenan im Innenbecken, das den Körper erneut auffängt: 32 Grad warmes Mineralwasser, das aus einer Quelle des Hochtals stammt, perlt wie Champagner auf der Haut. Bei einem Fingerstrich lösen sich kleine durchsichtigen Bläschen und strömen in das glasklare Nass zurück. Das Wasser ist weich, der Körper scheint darauf zu schweben wie auf einem unsichtbaren Kissen.

Edles Himmelgrau

Über dem Becken dann der Dom: 60000 Valser Quarzit-Platten aus dem zwei Kilometer entfernten Steinbruch hat Peter Zumthor für seine Therme verarbeitet. Und dennoch wirkt der quaderförmige Bau leicht, scheinbar schwerelos. Stein und Wasser gehen eine perfekte Symbiose ein. Andere Materialien wurden dazukombiniert, sorgen für ein wenig Wärme in der kühlen Strenge: Die Umkleidekabinen sind aus Mahagoni und Leder, die Liegen aus Holz und im Stil Corbusiers gefertigt. Sie laden zur Ruhe vor den großen Aussichtsfenstern ein, die kein Geheimnis daraus machen, wo man sich hier eigentlich befindet.

Von dort sieht man sie dann auch zum ersten Mal und mit einem gewissen Respektabstand: die steilen Almwiesen der gegenüberliegenden Berge. Ganz oben thronen die Graubündner Gipfel. Tannenspitzen wippen zart im Wind. Die Wärme und die sanften Bewegungen des Windes, der durch die Bäume streicht, versetzt auch hier in eine Art Schwebezustand.

Umgerechnet 16 Millionen Euro sammelten einst die Gemeinde und Schweizer Banken für das Valser Bad. Denn das Dorf auf 1250 Meter Höhe war nicht mehr spektakulär genug für den Tourismus. Es war zwar ein hübscher Ort, doch davon hat Graubünden, das Land der 150 Täler, genug.

Unter den Valsern gab es Skeptiker, als schließlich der Baseler Architekt Peter Zumthor den Wettbewerb um den Entwurf der Therme für sich entschied. Denn seine Pläne waren radikal: Er hatte einen monolithischen, strengen Bau entworfen, der in einem besonderen Verhältnis zur ursprünglichen Kraft und geologischen Substanz der Berglandschaft stand. Für das Bad schichtete Zumthor die Steinplatten gerade so zu einem Quader, wie sie aus dem Berg kamen. Nur das Hotel wirkt aus ganz anderen Gründen zusammengewürfelt und wird erst jetzt an den hohen Standard der Therme herangeführt, in einem ersten Schritt mit 39 neuen Zimmern. (Bettina Louise Haase/Der Standard/Printausgabe/20./21.1.2007)

Anreise: mit dem Auto über Chur und Ilanz nach Vals. Das Postauto fährt von Ilanz aus jede halbe Stunde ins Hochtal.
Info: Therme Vals
  • Artikelbild
    foto: therme vals
Share if you care.