
Der Karl Marx des neuen Atheismus heißt Richard Dawkins und ist renommierter britischer Evolutionsbiologe mit Professur an der Universität Oxford. Sein atheistisches Manifest nennt sich The God Delusion (auf Deutsch Der Gotteswahn), erschien vor drei Monaten und steht seit Wochen in allen US-amerikanischen und britischen Bestsellerlisten ganz oben. Das Time-Magazin widmete ihm und der von ihm angeführten Bewegung der "neuen Atheisten" im Spätherbst ebenso eine Covergeschichte wie die einflussreiche Technologiezeitschrift Wired.
Dawkins, der 2005 im Magazin Prospect nach Noam Chomsky und Umberto Eco zum drittwichtigsten Intellektuellen weltweit gewählt wurde (Benedikt XVI. belegte übrigens Platz 17), beschränkt sich bei seinem Kreuzzug gegen Gott nicht allein auf ausverkaufte Vorträge und auf das traditionelle Medium Buch. Der Evolutionsbiologe hat vor einem Jahr im britischen Fernsehen eine zweiteilige TV-Dokumentation mit dem Titel Root of All Evil? präsentiert, bei der es um die destruktive Rolle der Religion in der Moderne ging.
Zudem gründete der Atheist für seine Missionstätigkeit kürzlich auch noch eine eigene Stiftung, die Richard Dawkins Foundation for Reason and Science. Ihre Homepage nützt alle Möglichkeiten des Web 2.0, inklusive Internet-Videos von seinen Lesungen. Und sie verlinkt zu allen möglichen atheistischen Vereinigungen und Initiativen wie der Rational Response Sqad, die zu öffentlichen Blasphemie-Bekundungen aufgerufen hat (siehe Artikel unten).
Eine dieser neuen atheistischen Gruppen, die sich eine strikt naturalistische Weltsicht ohne Gott auf die Fahnen geschrieben hat, nennt sich "Bright". Die 2003 ins Leben gerufene, lose Vereinigung, der neben Dawkins eine ganze Reihe führender Wissenschafter wie Daniel Dennett oder Steven Pinker angehören, hat das Ziel, Atheismus durch diesen neuen Begriff positiv zu besetzen - ähnlich wie das den Homosexuellen mit dem Begriff "Gay" gelang.
Vor allem in den USA sollen dadurch die Akzeptanz für nicht religiöse Menschen erhöht und naturwissenschaftliche Grundeinsichten durchgesetzt werden. Und in beiden Fällen haben Dawkins & Co noch viel Arbeit vor sich: Einer Gallup-Umfrage vom vergangenen Oktober zufolge gehen 53 Prozent aller US-Bürger davon aus, dass die Erde vor 6000 Jahren entstanden ist. Eine rezente Umfrage der Zeitschrift Newsweek wiederum ermittelte, dass 92 Prozent der US-Amerikaner an einen Gott glauben. Dagegen können sich bloß 37 Prozent vorstellen, einen atheistischen Kandidaten ins Präsidentenamt zu wählen.
Um eine Emanzipation des Atheismus geht es auch Richard Dawkins in seiner flott geschriebenen Streitschrift The God Delusion, die gleich auf mehreren Fronten den Kampf mit der Religion aufnimmt. Dafür verlässt der Evolutionsbiologe mitunter auch schon einmal den festen Boden der Naturwissenschaft und begibt sich immer wieder aufs glatte Parkett der Philosophie , wo er nicht immer eine so ganz überzeugende Figur macht.
Gleich in den ersten Abschnitten von The God Delusion nimmt er sich die wichtigsten Argumente für und wider die Existenz Gottes vor, um im vierten Kapitel unter dem Titel "Why there almost certainly is no god" sein Kern- argument zu präsentieren. Das wiederum richtet sich vor allem gegen die Verfechter des Intelligent Design (ID), die vor eineinhalb Jahren im Wiener Erzbischof Kardinal Schönborn einen prominenten Fürsprecher fanden.
Für die ID-Vertreter ist nichts ohne einen Schöpfergott zu denken: Dass die Komplexität des Lebens bloß durch Evolution und Zufall entstanden sei, wie das die Neodarwinisten behaupten, sei ähnlich unwahrscheinlich wie das zufällige Entstehen einer Boeing 747 aus umherfliegenden Trümmern in einem Tornado. Dawkins dreht diese Argumentation einfach um: Denn jeder Gott, der dazu imstande wäre, die Komplexität des Leben zu planen, müsste im Grunde noch komplexer sein als das, was er geschaffen hat - was ihn nicht eben wahrscheinlicher macht.
Mit solchen Spitzfindigkeiten hält sich Dawkins indes nicht allzu lange auf. Vielmehr ist er an der Praxis der Religion interessiert, also zum Beispiel auch an der Frage, warum sie so verbreitet ist. Zu Beantwortung dieser Frage bemüht er einmal mehr seinen privaten Hausgott Charles Darwin und erklärt - wie der Philosoph Daniel Dennett - den allgegenwärtigen Glauben an Gott als evolutionäres Nebenprodukt. Religöse Gedanken sind für Dawkins wie mentale Viren, die sich ähnlich einem Computervirus von Gehirn zu Gehirn verbreiten. Die Kindern vermittelte religiöse Erziehung bezeichnet er gar als geistigen Kindesmissbrauch.
Im Rest des Buchs erklärt der gottlose Prediger, warum es keinen Gott braucht, um ein guter Mensch zu sein, und führt seitenlang Belege dafür an, warum die Religion umgekehrt keine so gute Sache für die Welt ist, und erinnert an all die Verbrechen, die im Namen der Religion und des religiösen Fundamentalismus begangen wurden.
Obwohl ähnlich überzeugend und eingängig geschrieben wie Dawkins bisherige acht Bestseller, wurde The God Delusion nicht nur positiv aufgenommen. Manche Rezensenten kritisieren Dawkins' mangelnde theologische Kenntnisse. Einige Kommentatoren sind aber auch von der Radikalität seines Atheismus verstört.
Der Verhaltensbiologe Kurt Kotrschal etwa hält den atheistischen Missionseifer seines britischen Kollegen für eine ähnliche Kompetenzüberschreitung wie Kardinal Schönborns Aussagen zur Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie, nur eben in anderer Richtung. Gerd B. Müller, theoretischer Biologe an der Universität Wien, kann dem öffentlich propagierten Atheismus seines engeren Fachkollegen schon mehr abgewinnen - nämlich gerade auch als Vorbeugung gegen religiös motivierte Versuche, sich in Fragen der Wissenschaft einzumischen.
Ist das nun alles eine Debatte, die auf die USA beschränkt bleiben wird? Oder schwappt da etwas herüber nach Kontinentaleuropa - ähnlich wie die Diskussion um Intelligent Design? Noch jedenfalls scheint das Gespenst des radikalen Atheismus in Europa nicht umzugehen. Aber womöglich sind wir gegen diesen mentalen Virus auch immun - weil wir eine weniger radikale Variante längst schon in uns tragen. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20./21. 1. 2007)
Auf YouTube schwören haufenweise junge Amerikaner Gott und der Religion ab: Die Initiative "The Blasphemy Challenge" belohnt das Coming-out von Atheisten
Martin Nowak, Harvard-Professor und Christ, über den Irrtum der Atheisten
Die Templeton-Stiftung fördert Wissenschaft, wenn sie sich mit Religion befasst
glaubt Ihr wirklich an die erfolgreichste selling idea aller Zeiten: An ein Leben nach dem Tod? Und an die Dreifaltigkeit, dass Drei Personen in Gott wohnen und dennoch eins sind und an die Jungfräulichkeit Mariens (wenn Ihr daran nicht glaubt, seid Ihr praktisch ohnehin keine Katholiken) und an wer weiss noch was alles, was den Hausverstand schwerstens verbiegt und vergewaltigt. Das war allein deshalb "erfolgreich", weil die Lehre seit 1700 Jahren mit Gewalt in die Leute verpflanzt wurde. Tausende mussten ihr Leben lassen, wenn sie sich nicht verbiegen konnten, siehe Giordano Bruno und andere. Wir sind heute weitgehend von den Leuten befreit, aber noch in meiner Kindheit war es schlimm. Atheisten sollten sich zusammenschließen!
Das mit der Dreifaltigkeit ist natürlich eine ganz unglaubliche Verkürzung, wenn es auch einen Kern Wahrheit enthält.
1) Man muss zwischen Religion und Kirche unterscheiden können.
2) Religion ist ohne Glauben möglich, man sollte nicht einfach glauben was andere sagen (behaupten?).
Um sich für das "göttliche" zu interessieren, braucht es etwas Offenheit; oder man lässt es.
Der Materialismus ist auch nur ein Glaube. Z.B. die Persönlichkeit des individuellen modernen Menschen. Die kann man nicht sinnlich sehen; dazu muss man denken.
Und mit dem Denken ist es keine (ausschliesslich) materielle Sache mehr; z.B. die Idee des Dreiecks kann nicht mit Augen gesehen werden und ist trotzdem ideel übertragbar.
Wenn ja eh alles Wahrscheinlichkeitsrechnung und dumme Wortspielerei (a la der Schöpfer müsste vorher was erschaffen, damit er Schöpfer genannt werden kann bla bla bla) ist, dann hab ich eine Frage.
Wir können also weder natürwissenschaftlich belegen, dass es keinen Gott gibt, noch dass es ihn gbit.
Somit steht zur Wahl:
a) Ich lebe 70 Jahre wie es mir passt, sterbe und that's it! Es gibt ihn also nicht - macht nichts.
b) Ich lebe 70 Jahre wie es mir passt, sterbe und dann heißt es ewige Hölle! Uuuups, wie blöd.
c) Ich lebe 70 Jahre mit einem Religionsverständis, dass Individualität, Wissenschaft und Modernität und führe ein friedliches Leben, sterbe und dann heißt es ewig Paradies! Yuhu!
That's my humble point of view!
Die Pascalsche Wette ist inzwischen schon so alt, dass sie komplett in der Luft zerrissen wurde. Zur Kritik siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Pasc... sche_Wette .
Der Punkt, der dort IMHO viel zu kurz kommt, ist, dass die Kosten (nicht nur im rein monetären Sinn) der Religion für den Einzelnen und die Gesellschaft unheimlich hoch sind.
Wie sagt schon Camus in der Pest "Würden die Menschen statt in die Kirche zu laufen, sich um die Probleme kümmern, hätten wir diese schon längst gelöst" (sinngemäß zitiert).
d) ich lebe 70 Jahre ohne religiöse (und vor allem ohne kirchliche) Zwänge mit einem humanistischen Weltbild und nach dem einfachen Grundsatz: behandle andere so, wie du selber behandelt werden willst.
Komme ich dann in die Hölle?
Nicht vergessen: auch als Atheist kann man ein ethisch hochwertiges und ausgefülltes Leben führen.
Menschen nicht ohne Religion können. Und die Pluralität unserer Gesellschaft kommt mit dem Monotheismus in Konflikt, wenn er sich ernst nimmt (s.z.B Islam). Konzeptioneller Polytheismus würde der gesellschaftlichen Wirklichkeit eher entsprechen. Es gab in der Antike so gut wie keine Religionskriege.
ist ihre totaliäre Anmaßung. Es bedarf des lieben Gottes aber nicht, um totalitär zu sein, wie zuletzt Stalin, Hitler und Polpot gezeigt haben.
Im Dschungel wild wuchernder Illusionen und menschlicher Leidenschaften blühen Verstand und Humanität nur kümmerlich an wenigen Orten.
Frei nach Meister Nagarjuna:
Es kann keinen von den Kreationisten vorgestellten Schöpfergott geben, weil:
Wenn ein allmächtiger, allwissender und unveränderlicher "Gott" die Ursache für "Schöpfung" sein soll...
-müssten beide sich im selben Moment begegnen, um eine Causalbeziehung einzugehen. (Ein Schöpfer vorher kann nicht existieren ohne etwas "Erschöpftes" -was ihn als "Schöpfer" definiert; und wenn beide gleichzeitig da sind, dann braucht die Schöpfung keinen Schöpfer mehr, weil sie schon existiert).
Weiters wird eine Ursache beim Bewirken einer Wirkung selbst verändert, der Schöpfergott, der vorher existierte wäre also nicht mehr existierend.
Weiters kann nichts aus "andersartigem" entstehen -sonst könnte Feuer kühlen oder Sonnensch
der glaube an ein "besseres leben danach", verursacht genau diese art von bestialischer grausamkeit, fuer die der glaube steht
der der glaube (siehe bibel, etc) verlangt ein "gutes" leben um nach dem tode ein besseres leben fuehren zu koennen (was ansich schon pervers ist, ein leben nach dem tode zu erwarten)
und die verschiedenen glaubensrichtungen geben einen vor was gutes leben ist: zu gehorchen, zu ehren und sich unterzuordnen
davon profitieren natuerlich pfaffen und kirchen, sie sind aber nur die nutznieser von dieser perfiden gehirnwaesche religion (und tun natuerlich alles, das es so bleibt, schueren aengste)
anstatt das die leute sich hier und jetzt ein besseres leben ermoeglichen, erhoffen sie es sich nach ihrem tode ...
dawkins hat meiner meinung nach in nahezu allen punkten recht.
wo er sich aber irrt ist, dass die menschheit eine bessere gesellschaft ohne gott wäre. für einen kleinen anteil der bevölkerung trifft das zu. für den rest allerdings nicht. nicht alle, nämlich der großteil, sind stark genug um sich geistig nicht auf ein höheres wesen oder dogma zu stützen. und ich meine es ist wesentlich besser, wenn sich leute an der christlichen lehre orientieren als an politischen wahnideen. ich halte die gottesidee für einen wesentlichen stabilitätsfaktor der menschlichen gesellschaft. die voraussetzung ist natürlich, dass alles in maß und ziel erfolgen muss, das heutige europa geht hier einen guten weg (bis auf polen).
Die Kirche als Machtapparat behauptet natürlich gerne, dass Ethik nur von der Religion kommt.
Es ist aber umgekehrt: Die Religion ist auf den Zug aufgesprungen.
Denke einmal nach: bringst du nur deshalb deinen Nachbarn nicht um, weil es in den 10 Geboten steht? Oder gibt es nicht vielleicht andere Gründe?
Warum bringen Tiere nicht wahllos andere Tiere um? Die haben doch keine 10 Gebote.
Das ist schlich historisch unwahr, trotz der unseligen Rolle, die die Kirche in verschiedener Hinsicht (pädagogisch, bildungssoziologisch, politisch) gespielt hat. — An der Überhöhung sozialer Verhaltensregeln zur Moral ist die Hochreligion durchaus beteiligt. Vgl. Auguste Comtes Epocheneinteilung in Mythos, Religion, Vernunft, vgl. Hegel.
Das eine wiederspricht nicht dem Anderen. Das Beispiel "Du sollst nicht töten" passt also. Die meisten Menschen bringen nicht wahllos andere um. Manche tun es aber. Dass die Religion diese Regel, dass man nicht töten soll festgeschrieben hat kann also durchaus als "Anlassgesetzgebung" gelten.
Die Überhöhung der sozialen Regeln ist wiederum eine andere Sache. Diese könnten auch einzig dem Machterhalt und Gewinn dienen: Wenn du dies oder das machst kommst du in die Hölle.
»Anlassgesetzgebung« greift sicher zu kurz, weil es nicht dem historisch zu vermutenden Stand der Reflexion entspricht, wenngleich historisch Stadt- und Staatsbildung eine Rolle spielen. Daß religös formulierte Moralvorstellungen für Machterhalt und Gewinn gebraucht und mißbraucht worden sind, ist eine historische Tatsache. Ihre Überlegung läßt die Frage nach der Entstehung der Idee der Gerechtigkeit (wohlunterscheidbar von der Idee eines Rechtssystems) aber ebenso außer Acht wie eine langfristige Bewertung der Kulturleistungen vieler Hochreligionen, die zwei Seiten hat. Ihre Kritik wird also von mir nicht abgewiesen, sie berührt auch relevante Fragen, muß jedoch im Sinne der Fragestellung als unvollständige Überlegung kritisiert werden.
"An der Überhöhung sozialer Verhaltensregeln zur Moral ist die Hochreligion durchaus beteiligt"
Sprechen SIe von Hexenverbrennungen, Inquisition, ...?
Oder von Plünderungen der neuen Welt?
Oder von Waffensegnungen?
Oder von PRedigten gegen Kondome, wodurch sich die Krankheiten stärker verbreiten?
Alle Ethischen Errungenschaften mussten der k. Kirche hart abgerungen werden.
Ich spreche aber von Ethik und nicht von (kirchlicher) Moral.
Mag eine Überhöhung sozialer Verhaltensregeln zur Moral durch die Kirche stattgefunden haben, aber das Prinzip >>"Behandle andere so, wie du behandelt werden möchtest"<< ist die Basis und findet sich bei allen Religionen in der einen oder anderen Art und Weise .... und die findet sich auch bei Tieren ... als Vorform, aus der sich unsere heutige Ethik entwickelt hat!
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