Kopf des Tages: Missethon - ein neugieriger Kämpfer

31. Jänner 2007, 09:47
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Obersteirer hätte "eigentlich nicht damit gerechnet", zum ÖVP-Generalsekretär berufen zu werden - Sein Ziel: "Wieder Erster werden"

"Nein, eigentlich habe ich nicht damit gerechnet", sagte der 47-jährige Obersteirer Hannes Missethon, als bekannt wurde, dass er einem anderen Steirer, Reinhold Lopatka, als ÖVP-Generalsekretär folgt. Er hatte "ein Zeitfenster von zwei Stunden, um über das Angebot Willi Molterers" nachzudenken. Doch schnelle Entscheidungen sind für den Leobener, der in seiner Geburtsstadt die Montan-Uni absolvierte, Routine.

Erst vor einem Jahr wurde der Unternehmer und Werkstoffwissenschafter überraschend Landesparteigeschäftsführer in der Steiermark, um der nach der Landtagswahl am Boden liegenden Partei auf die Beine zu helfen. Er sei ein Kämpfer, hatte Parteichef Hermann Schützenhöfer die Wahl damals begründet, habe er sich doch im tiefroten Leoben von 1991 bis 1994 wacker als Stadtparteiobmann geschlagen. Von der Koalition mit Gusenbauers "Sozialisten" wollte Missethon, der ab 1998 im Bundesrat und seit 2002 im Nationalrat saß, noch Ende 2006 nichts wissen.

Aufzurichtende Kind

Dass er das aufzurichtende Kind, die Landespartei, nun zu früh weglege, glaubt er nicht. Denn das Ziel, das er verfolge, bleibe das gleiche: "Wieder Erster zu werden. Wenn wir das in Österreich erreichen wollen, wird das nicht ohne die Steiermark gehen." Genau dort - im "wegen des Bieres berühmten Leobener Vorort Göss" - und nirgendwo sonst wolle er auch künftig leben.

Wie Wilhelm Molterer hält auch Missethon niemand für ein Signal der Erneuerung der ÖVP. Doch Missethon selbst meint: "Jeder Wechsel in einer Schlüsselposition ist eine Veränderung, weil ein Mensch mit anderen Merkmalen und persönlichen Werten kommt".

"Patchworker"

Auch wenn Missethon betont, "ein Patchworker" zu sein, weil seine Frau und er aus erster Ehe jeweils zwei Söhne (17, 18, 19, und 20 Jahre alt) in die gemeinsame Ehe brachten, passen seine persönlichen Werte perfekt in die traditionelle ÖVP: "Das Thema Familie ist wichtig. Ich komme aus einer großen Sippe, auf die ich stolz bin." Zur neuen Familienministerin, seiner Parteikollegin Andrea Kdolsky, die Kinder manchmal nervig findet, will Missethon sich nicht direkt äußern, aber: "Wenn man Kinder hat, erlebt man Situationen, die ich nicht missen möchte."

Als dringende Aufgabe seiner Partei sieht Missethon nun das Erschließen "neuer Zielgruppen und Lebenswelten". Ein Prozess, auf den er sich als "sehr neugieriger Mensch, der in Leoben mit tausenden verschiedenen Schicksalen an der Basis konfrontiert war", freue. Zu neu werden diese Lebenswelten in der ÖVP aber wohl doch nicht werden. In der Frage gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften kennt der schwarze Kämpfer seine Grenzen: "Da muss eine klare Abgrenzung zur Ehe, die eine sehr klare Ordnung in unserer Gesellschaft schafft, und zum Bereich Kinder bleiben." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Printausgabe 20./21.1.2007)

  • Hannes Missethon: Steirer mit "Familiensinn" ist neuer ÖVP-General.
    foto: hendrich

    Hannes Missethon: Steirer mit "Familiensinn" ist neuer ÖVP-General.

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