Strache und Stadler im Machtkampf um die FPÖ

29. Jänner 2007, 17:30
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Foto-Krieg: Parteichef beim Schießen - Ex-Volksanwalt als Prediger - Suche nach "Verräter" - DÖW: "Aufklärungsbedarf"

In seltsamer Montur erscheinen die höchsten Exponenten der freiheitlichen Partei auf den Bildern, die dieser Tage in Umlauf gebracht werden - aber da sei natürlich gar kein böser Hintergedanke dabei, wird allseits versichert. Dahinter gibt es einen harten Richtungskampf.

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Wien - Die in Kutten aus ungebleichter Schafswolle gehüllten Männer gehören keinem bösen Geheimbund an - mag es auch danach aussehen. Dass die Bilder derzeit mit hämischem Lachen von einem Freiheitlichen zum anderen weitergegeben werden, hat allenfalls damit zu tun, dass der Abgeordnete Ewald Stadler darauf zu sehen ist - bei rituellen Handlungen des 1218 gegründeten und seit drei Jahren wieder in Wien angesiedelten katholisch-konservativen Mercedarier-Ordens.

Die in Uniformen aus Tarnstoff gehüllten Männer auf der anderen Bildserie sind keine Wehrsportgruppe - mag es auch danach aussehen. Die Männer haben nur ganz harmlos Paintball oder Gotcha gespielt; dass einige davon in den Rechtsextremismus gerutscht sind, hat die zentrale Figur auch nicht wissen können, argumentiert FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky. Der gezeigte Mann hat auch nicht wissen können, dass er einmal Parteichef und Klubchef der FPÖ werden würde.

"Gezielt Gerüchte verbreitet"

Heinz-Christian Strache hatte, mit den alten Bildern konfrontiert, davon gesprochen, "dass hier offenbar ganz gezielt falsche Gerüchte verbreitet" würden. Dahinter vermutet wird der Herr aus der anderen Bilderserie - der von Strache durch Umgründung der Parteiakademie entmachtete Ewald Stadler.

Dieser wiederum wies alles von sich. "Infam" sei die Unterstellung, dass er derjenige gewesen sei, der die Uniformbilder in Umlauf gebracht hätte. Sie seien ihm zu Weihnachten zugespielt worden, und nach zwei Tagen habe er sie dem einzig zuständigen Mann, dem FPÖ-Bürgeranwalt Hilmar Kabas, weitergegeben.

Zur Diskussion gestellt

Der hat sie dann in der Vorwoche beim Parteivorstand zur Diskussion gestellt - woraufhin alles beim BZÖ gelandet sei.

Das wiederum sei ein "Führungsproblem" - mehr an Kritik an Parteichef Strache will sich Stadler nicht entlocken lassen. Vorläufig also keine weiteren Schüsse mit dem Farbgewehr aus der FPÖ.

Dafür aber umso heftigere Reaktionen: Das Dokumentationsarchiv des Widerstands (DÖW) hat die Bilder dahingehend beurteilt, dass sie zwar nicht zu der in Langenlois ausgehobenen Wehrsportgruppe gehören. Wohl aber würden sie Strache "in ein schiefes Licht" rücken. Es gebe "massiven Aufklärungsbedarf" darüber, mit wem Strache seinerzeit (es geht um die frühen Neunzigerjahre) Kontakt gehabt habe.

Jugendkult

Zur Erinnerung: Das war die Zeit, als in Österreich Rechtsextremismus unter schärfere Beobachtung kam und der staatsgefährliche Charakter von rechtsextremen Wehrsportgruppen erstmals ernst genommen wurde. Es war auch die Zeit des Briefbomben-Terrors.

Strache war damals etwas über 20 Jahre alt und gemeinsam mit anderen jungen Anhängern der unter Jörg Haiders Führung stark wachsenden FPÖ bemüht, die Jugendkulturszene für die freiheitliche Bewegung zu gewinnen.

Einer der Akteure war damals Christian Böhm (der sich in Erinnerung an den Feldmarschall Böhm-Ermolli nannte) - er erblickte in der Techno-Szene einen "vitalistischen Jugendkult", der unabhängig von angloamerikanischen Einflüssen geblieben sei.

Spaßkultur als Werben für rechte Gewalt

Schon damals wurde von einer "Unterwanderung" der Jugendkultur durch die rechte Szene gewarnt - und vor einer Vermengung der Spaßkultur rund um Paintball-Spiele mit den Wehrsport-Aktivitäten potenzieller rechter Gewalttäter.

Im aktuellen Kontext geht es aber nicht nur um die Vergangenheit, sondern um die Ausrichtung der Freiheitlichen Partei. Ewald Stadler würde ihr gern seine ideologische Prägung geben, Strache will das verhindern. Vom Europa-Abgeordneten Andreas Mölzer erhielt Strache jedenfalls Unterstützung: Strache sei "unbestritten". Der Parteichef will nun mit Stadler "in aller Ruhe" reden, der Rest der Partei übt sich derweil in Schweigen. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe 20./21.1.2007)

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  • Heinz-Christian Strache bei einem angeblichen Paintball-Spiel (wenn auch mit unüblichem Spielgerät).
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    Heinz-Christian Strache bei einem angeblichen Paintball-Spiel (wenn auch mit unüblichem Spielgerät).

  • Ewald Stadler bei einer Mariae-Verkündigungs-Feier der Mercedarier-Kommende.
    foto: www.mercedarier.at

    Ewald Stadler bei einer Mariae-Verkündigungs-Feier der Mercedarier-Kommende.

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    Der junge Strache in Uniform mit Deutschland-Fahnen auf dem Hemd.

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    Der jugendliche Strache nach Übungen im Wald.

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    Strache vor Kriegerdenkmal.

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