Neues VP-Führungsduo: "Aus vollem Herzen Schwarze"

31. Jänner 2007, 09:47
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"Patchworker" Missethon wird Generalsekretär, Trainerin Mojzis Bundes­geschäftsführerin - Molterer: "Signal der Erneuerung"

Wilhelm Molterer hat das neue Führungsduo der ÖVP-Bundespartei vorgestellt. Der Steirer und "Patchworker" Hannes Missethon folgt Reinhold Lopatka als Generalsekretär nach. Die Kommunikationstrainerin Michaela Mojzis wird Bundesgeschäftsführerin.

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Wien – Mit den Ausschmückungen „wilde Frische“ und „besonnener Kämpfer“ hat der neue starke Mann in der Volkspartei, Wilhelm Molterer, am Freitag die neue Bundesparteispitze der ÖVP vorgestellt. Für das frische Lüfterl in der großen, alten Gesinnungsgemeinschaft des Vizekanzlers soll die bisher weit gehend unbekannte Wiener Kommunikationstrainerin und VP-Beraterin Michaela Mojzis (37) sorgen. Sie wurde zur neuen Bundesgeschäftsführerin ernannt.

Den Kämpfer auf dem Weg zum erhofften Sieg bei der nächsten Nationsratswahl macht ab sofort der bisherige steirische Landesgeschäftsführer, Hannes Missethon (47). Der Leobener, Hobbyläufer, Pendler und nach Eigendefinition „Patchworker“ ist neuer VP-Generalsekretär. Er folgt dem Steirer, Läufer und neuen VP-Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka in dieser zentralen inhaltlich-politischen Funktion nach.

"Signal der Erneuerung"

Molterer sprach aus gegebenem Anlass von einem „Signal der Erneuerung“. Die Öffnung der Volkspartei sei „eingeleitet und unumkehrbar“. Umweltminister Josef Pröll mit seiner „Perspektivengruppe“ habe in der Zukunftsgestaltung der Partei einen „zentralen Stellenwert“, die Bundespartei sei zur Unterstützung da. Mojzis und Missethon seien seine „starken Arme“, um der Volkspartei wieder das Wahlsiegen beizubringen, sagte Molterer.

Die beiden Arme spannten denn auch sofort ihre Muskeln: Mojzis, aus „vollem Herzen eine Schwarze“, die im Nationalratswahlkampf mit der Organisation der Freiwilligenarbeit in Wien beschäftigt war, sagte, sie wolle das enorme Potenzial der Partei nutzen und das vielfältige Engagement vor den Vorhang holen. Missethon, der in einer roten Hochburg als Bezirksparteiobmann von Leoben zweimal ein Grundmandat für die Schwarzen geschafft hat, sprach „unmissverständlich“ vom einzigen Ziel der ÖVP, nämlich wieder die Nummer eins zu werden.

Kein Haxl-Stellen

Dabei gehe es aber nicht darum, der SPÖ ein Haxl zu stellen, wie er ausführte, sondern um das Einhalten des Regierungsprogramms auf Punkt und Beistrich. Ein Nachverhandeln der Studiengebühren lehnt er strikt ab. „Man darf nicht beim ersten Lüfterl kalte Füße bekommen.“ Rosen streute Missethon vor allem Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel und seinem „exzellenten“ Verhandlungsergebnis mit der SPÖ.

Dadurch sei auch in der steirischen ÖVP die anfänglich große Skepsis gegenüber einer großen Koalition gewichen. „Die Stimmung hat sehr gedreht.“ Dennoch sei er jetzt Geschäftsführer der Volkspartei und nicht der Geschäftsführer der großen Koalition, sagte Missethon. Angesprochen auf die Erneuerungs- und Wertediskussion in seiner Parte sagte der frühere Unternehmensberater Missethon schmunzelnd: „Ich bin ein Patchworker.“

"Völlig normal"

Er sei zum zweiten Mal verheiratet und habe aus der ersten Ehe zwei Söhne. Auch seine jetzige Frau habe aus erster Ehe zwei Söhne. Das sei ja heute alles völlig normal. Seinen Nachfolger Bernhard Rinner, den neuen Landesgeschäftsführer der Steirer VP, nennt Missethon einen „wirklich interessanten Typen“. Der 37-jährige Grazer absolvierte sowohl ein Gesangs- als auch ein Jus-Studium und war jahrelang Kulturredakteur in der „roten“ Neuen Zeit in Graz. Ab 1997 war er politischer Sekretär Hermann Schützenhöfers, bis er 2004 Geschäftsführer der Instyria Kultur Service GmbH wurde. (Michael Bachner, DER STANDARD, Printausgabe 20./21.1.2007)

  • Drei Hände, zwei neue starke VP-Arme: Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis, Wilhelm Molterer und Generalsekretär Hannes Missethon.
    foto: hendrich

    Drei Hände, zwei neue starke VP-Arme: Bundesgeschäftsführerin Michaela Mojzis, Wilhelm Molterer und Generalsekretär Hannes Missethon.

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