Bertelsmann-Vorstandschefs nach 1945

5. März 2007, 13:38
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Konzern von der unternehmerischen Ausnahmeleistung Reinhard Mohns geprägt

Bertelsmann blickt als heute größter Medienkonzern Europas auf eine mehr als 170-jährige Geschichte zurück. Am 1. Juli 1835 gründete Carl Bertelsmann das Unternehmen. Er verlegte vor allem christliche Liederbücher und fertigte sie in seiner eigenen Druckerei. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wuchs Bertelsmann - maßgeblich von der unternehmerischen Ausnahmeleistung Reinhard Mohns geprägt - zum Weltkonzern.

1947-1981: Reinhard Mohn. Der heute 85-Jährige übernahm im Alter von nur 25 Jahren von seinem Vater Heinrich die Geschicke des Unternehmens und schaffte es, den Verlag am Leben zu halten. Gemeinsam mit Vertriebsgenie Fritz Wixforth schuf er den Bertelsmann-Lesering, den heutigen Buchclub. Bertelsmann wuchs kräftig und expandierte etwa in das Musikgeschäft. Mohn formte das Unternehmen nicht nur ökonomisch, sondern passte es mit seinen Leitlinien auch in das gesellschaftliche Umfeld ein. Im Alter von 60 Jahren zog er sich aus dem operativen Geschäft zurück und wechselte an die Spitze des Aufsichtsrats. In einem ungewöhnlichen Schritt übertrug er 1993 die Mehrheit der Gesellschaftsanteile an die von ihm gegründete Bertelsmann Stiftung.

1981-1983: Manfred Fischer. Der ehemalige Assistent von Bertelsmann-Manager Manfred Köhnlechner wurde von Reinhard Mohn nach Hamburg geschickt, als Bertelsmann die Mehrheit an der Zeitschriftengruppe Gruner + Jahr übernommen hatte. In den 1970er Jahren prägte er dort das Zeitschriftengeschäft, ehe er 1981 als Nachfolger Mohns nach Gütersloh zurückkehrte. Auf dem Chefsessel des am Wendepunkt angekommenen Konzerns konnte sich Fischer nach Flops in den USA und Streitigkeiten mit Mohn allerdings nur knappe zwei Jahre halten.

1983-1998: Mark Wössner. Er leitete eine langjährige Expansionsphase des Unternehmens ein, in der sich der Blick vor allem auf die internationalen Medienmärkte richtete. Wössner steht unter anderem für den Einstieg von Bertelsmann ins Fernsehgeschäft, das - heute als RTL-Group firmierend - der größte Umsatz- und Gewinnbringer im Konzern ist. In Wössners Ära kamen aber auch Verlage wie Doubleday und Musiklabels wie RCA zu Bertelsmann. 1998 kaufte Bertelsmann die US-Verlagsgruppe Random House und wurde damit zum weltweit größten Buchverleger.

1998-2002: Thomas Middelhoff. Der "Amerikaner mit deutschem Pass" forcierte den Einstieg ins Internet-Geschäft und bescherte Bertelsmann einen Geldsegen wie noch nie: Middelhoff kaufte das Portal AOL Europe und stieß es rechtzeitig vor dem Platzen der Internetblase für 7,5 Mrd. Euro wieder ab. Die operativen Geschäfte gingen allerdings unter seiner Ägide immer schlechter, bis hin zu herben Verlusten in den Kernmärkten. Auseinandersetzungen mit der Eignerfamilie unter anderem über einen möglichen Gang an die Börse führten 2002 schließlich zu dem häufig kolportierten Satz von Familiensprecherin Liz Mohn: "Thomas, es geht nicht mehr!"

2002-2007: Gunter Thielen: Der Vertraute der Familie Mohn und frühere Chef der Drucksparte Arvato wurde zunächst als Übergangslösung reaktiviert. Eigens für Thielen wurde die bis dato geltende Altersgrenze für Bertelsmann-Manager von 60 Jahren aufgehoben. Thielen nahm Änderungen in der Konzernstruktur zurück und setzte stärker auf die dezentrale Struktur im Sinne Reinhard Mohns, mit starker Eigenständigkeit der sechs Unternehmensbereiche. Nach einer Phase der Konsolidierung schaffte er den Weg zurück in die Erfolgsspur. Seine spektakulärsten unternehmerischen Schritte waren die Fusion des Musikbereichs BMG mit Sony und der - von ihm selbst lange Zeit abgelehnte - Rückkauf eines Aktienpakets von 25,1 Prozent vom belgischen Finanzinvestor GBL. Dafür musste Bertelsmann 4,5 Mrd. Euro zahlen. (APA/AP)

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