Ein Jahr seit Rückkehr der Saliera vergangen

25. Jänner 2007, 13:40
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Nach unprofessioneller Handhabung wird Restaurierung nicht vor Ende 2007 fertig sein - Urteil gegen Mang noch immer nicht rechtskräftig

Wien - Vor einem Jahr, am 21. Jänner 2006, fand der spektakulärste Kunstdiebstahl der Zweiten Republik ein ebenso überraschendes wie glückliches Ende. Die 2003 aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) entwendete Saliera wurde von Kriminalisten in einem Waldstück im Raum Zwettl, zu dem sie der Dieb Robert Mang geführt hatte, ausgegraben. Zu sehen ist die kostbare Kleinskulptur allerdings seit Anfang Juni 2006 nicht mehr - und wird es auch ein weiteres Jahr nicht sein. Die umfangreichen Restaurierungs- und Konservierungsarbeiten sind voraussichtlich erst Ende 2007 abgeschlossen. Laut dem Museum soll die Saliera mit der Neueröffnung der Kunstkammer, die bis zum nächsten Jahreswechsel generalsaniert wird, wieder ausgestellt werden.

Das Kunstwerk von Benvenuto Cellini wurde fast drei Jahre unter nicht-musealen Bedingungen gelagert. Dadurch, und durch den Diebstahl selbst, entstanden Schäden am Holzsockel, am Gold und an den umfangreichen Emailierungen, die weit reichende Untersuchungen notwendig machten. Seit dem Sommer wurde mittels Röntgenfluoreszenz die Zusammensetzung des Emails und der Goldlegierung untersucht, die Analysen stehen noch bevor. Zur Zeit wird mittels Computertomograph eine Wandstärkenmessung durchgeführt, die zeigen soll, ob Cellinis Beschreibungen über die Herstellung der Saliera tatsächlich zutreffend sind.

Zwischenbilanz in einem halben Jahr

Die Evaluation soll bis Mitte des Jahres abgeschlossen sein, dann wird sowohl sammlungsintern als auch im Rahmen eines Symposiums mit internationalen Kunsthistorikern über die weitere Vorgangsweise beraten. Bis dahin bleibt unklar, ob zusätzlich zu Konservierungsmaßnahmen, wie der Festigung des Emails, auch restauratorische, wie die optische Schließung der Verletzungen, gesetzt werden.

Derzeit befindet sich die Saliera in der Restaurierwerkstätte der Kunstkammer, bis man sie wieder als Teil der Sammlung bewundern kann, muss man sich wohl noch ein weiteres Jahr gedulden. Sollte die Kunstkammer selbst nicht bis Jahresende saniert sein, könnte die Saliera schon früher ausgestellt werden, wahrscheinlich aber ist, dass sie sich erst mit der Neueröffnung ihrer Heimstätte wieder der Öffentlichkeit präsentieren wird.

---> Urteil gegen Mang noch immer nicht rechtskräftig

Urteil gegen Mang noch immer nicht rechtskräftig

Am 7. September wurde der Alarmanlagen-Experte Robert Mang im Wiener Straflandesgericht wegen des Diebstahls der "Saliera" zu vier Jahren Haft verurteilt. Ob es endgültig dabei bleibt, ist noch offen, die Entscheidung darüber obliegt dem Wiener Oberlandesgericht. Die Staatsanwältin hatte angesichts eines Strafrahmens von bis zu zehn Jahren das Urteil für unangemessen milde gehalten und legte dagegen Berufung ein. Termin für diese Verhandlung gibt es noch keinen: "Das wird sicher noch einige Monate dauern", rechnet Richard Soyer, der Rechtsbeistand des Saliera-Diebs, noch mit einiger Wartezeit.

Bis dahin sitzt Mang weiter im Wiener Landesgerichtlichen Gefangenenhaus in U-Haft. Er gilt als "Musterhäftling, der keine Probleme macht", so ein Justizwachebeamter. Mang wurde von der Gefängnisleitung als Schreiber eingeteilt und verwaltet die Bibliothek der Justizanstalt, stellt seinen Mithäftlingen Briefe und Poststücke zu.

Wie es weiter geht

Sobald das Urteil rechtskräftig ist, wird Mang vom Untersuchungsgefängnis in eine "gewöhnliche" Justizanstalt verlegt, um den Rest seiner Strafe abzusitzen. Das könnte für ihn den unangenehmen Nebeneffekt mit sich bringen, dass er möglicherweise nicht mehr wie bisher regelmäßigen Besuch seiner halbwüchsigen Kinder bekommt, sollte er in eine räumlich weit von Wien entfernte Anstalt überstellt werden.

Nach Verbüßung der Hälfte seiner Strafe kann der 51-Jährige erstmals um seine vorzeitige bedingte Entlassung ansuchen. Da er bisher keine Vorstrafen aufweist, hätte Mang eigentlich gute Chancen, diese gewährt zu bekommen. Namhafte Experten glauben allerdings, dass das zuständige Vollzugsgericht auf Grund der Prominenz des Falls doch eher davon Abstand nehmen würde. (APA)

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