Frust-Quellen

19. Jänner 2007, 17:00
21 Postings

Die persönliche Leistung erhalte im Unternehmen keine entsprechende Würdigung. Die Leute fühlen sich nicht würdig genug entlohnt

Wenn wir über Würdigung der Leistung und über Wertschätzung als Um und Auf für eine leistungsbereite und zufriedene Belegschaft schreiben, dann ernten wir oft ziemlich gelangweilte Gesichter. In Posting-Kommentaren wird den Leuten dabei sogar unmittelbar "schlecht". Das internationale Beratungsunternehmen Accenture hat sich jetzt allerdings bei 1400 Angestellten des mittleren Managements in Europa, Nordamerika und Asien zur Quelle ihrer Frustration umgehört.

Das Ergebnis ist erschreckend: Nur vier von zehn Befragten sind mit ihrer derzeitigen Arbeitsplatzsituation zufrieden. 43 Prozent warten auf eine Chance für den Absprung. Gründe: Die persönliche Leistung erhalte im Unternehmen keine entsprechende Würdigung. Die Leute fühlten sich nicht würdig genug entlohnt, und ihnen würden keine oder kaum Karriereperspektiven angeboten. Motivation und Arbeitsmoral würden durch dieses Bündel an Mankos entscheidend gehemmt. 23 Prozent schauen sich der Studie zufolge schon aktiv nach etwas Besserem um. Möglich, dass Unternehmen auf all diese Leute sowieso gut verzichten können und sich um solche Befindlichkeiten gar nicht kümmern müssen. Wahrscheinlicher ist aber, dass in den mittleren Managementpositionen die "Zeitbombe Frustration" ziemlich laut tickt – und somit auch ein großes Problem für die Unternehmensführung ist.

Noch ein interessantes Detail: Knapp ein Drittel der in Deutschland Befragten erachtet die mögliche Balance zwischen Arbeit und Privatleben als "problematisch". Das deckt sich mit einer Erhebung des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) gemeinsam mit der Uniqa-Versicherung in Österreich: Das Mittelmanagement fühlt sich deutlich weniger gesund und fit als etwa das Top-Management, sieht sich mehr unter Druck und schafft kaum Balance zwischen Job & Privat. Das sind Handlungsimperative für die Personalpolitik, die im besten Fall immer Chefsache ist. (Karin Bauer, Der Standard, Printausgabe 20./21.1.2007)

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    foto: derstandard.at/honsig
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